Kreis Heinsberg: NEW Re will die Energiewende aktiv mitgestalten

Kreis Heinsberg: NEW Re will die Energiewende aktiv mitgestalten

„Wir wollen die Energiewende in unserer Region aktiv mitgestalten und die erneuerbaren Energien nach vorne bringen“, hat Tafil Pufja, Geschäftsführer der NEW Re GmbH, bei einer Veranstaltung vor Abonnenten unserer Zeitung betont und dabei die Investitionspläne des Un­ternehmens aus dem NEW-Konzern in der Region bekräftigt: Das geplante Investitionsvolumen für die nächsten Jahre bezifferte er mit rund 100 Millionen Euro.

Nachdem 2006 bereits ein Bioenergiekompetenz-Center der damaligen West Energie und Verkehr GmbH & Co. KG aufgebaut worden war, wurde im Jahr 2009 die NEW Re GmbH gegründet, an der aktuell die Unternehmen NEW AG (75,2 Prozent), Gemeindewerke Grefrath GmbH (4,8 Prozent) und GWG Grevenbroich GmbH (20 Prozent) beteiligt sind. Die NEW Re realisiert den Bau und den Betrieb von Energieerzeugungsanlagen nach dem Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) im Versorgungsgebiet der Gesellschafter, das von Grefrath im Norden bis Übach-Palenberg im Süden, von Selfkant im Westen bis Grevenbroich im Osten reicht. Die Wertschöpfung in der Region zu halten, sei ein erklärtes Ziel, so Pufja.

Im Blickpunkt steht dabei für NEW Re generell — und stand entsprechend auch bei dieser exklusiven Aboplus-Tour — die erneuerbare Energieerzeugung aus Photovoltaik, Windkraft und Biomasse. So ging es mit 22 (ausgelosten) Abonnenten von Geilenkirchen aus, wo die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der West-Verkehr-Hallen jährlich knapp 200 Megawattstunden (MWh) produziert, zum Windpark in Tripsrath, ehe schließlich die Biogasanlage in Wassenberg besichtigt wurde.

In Geilenkirchen verdeutlichte Diplom-Ingenieur und Prokurist Rainer Sender Funktion und Wirkweise der im November 2009 in Betrieb genommenen Photovoltaik-Anlage. Bei einem Investitionsumfang von 760 000 Euro wurden 1062 Photovoltaik-Module installiert, die mit 1777 Quadratmetern Gesamtfläche an Sonnenkollektoren den Strombedarf von 56 Haushalten decken. Das Interesse der 22 Teilnehmer an technischen Details — insbesondere zur Qualität der Module — war groß. Rainer Sender stand umfassend Rede und Antwort und wies dabei insbesondere auf die in den vergangenen Jahren deutlich gefallenen Preise für die Kollektoren hin.

Mit dem Bus ging es dann zum Windpark bei Tripsrath — ein Gemeinschaftsprojekt der NEW Re GmbH mit der BMR Windenergie GmbH & Co. KG. Am Uetterather Weg stehen drei Windräder, ­jedes mit einer Gesamthöhe von 146 Metern. Die Teilnehmer erlebten die Anlagen in Betrieb und waren erstaunt über die geringe Geräuschkulisse. Jedes Windrad erzeugt rund 5,3 Millionen Kilowattstunden jährlich und versorgt damit rechnerisch etwa 1500 Haushalte. Die NEW Re GmbH, der zwei der drei Windräder gehören, hat rund sieben Millionen Euro in Tripsrath investiert.

„In den nächsten fünf Jahren werden wir im gesamten Versorgungsgebiet 100 Millionen Euro investieren — und dies eben vor allem in die Windenergie“, deutete Pufja die Konzentration des Unternehmens auf diese Form der Produktion mittels erneuerbarer Energien an. Im Kreis Heinsberg ist NEW Re aktuell mit ihren beiden Windenergieanlagen in Geilenkirchen und einer weiteren in Übach-Palenberg vertreten; weitere Standorte in Wassenberg, ­Wegberg und Hückelhoven sind in der Planung.

Zum Abschluss erfolgte die Besichtigung der auf Basis von Maissilage und Rindergülle betriebenen, Ende 2007 in Betrieb genommenen Biogasanlage in Wassenberg. NEW Re ist mit 32,4 Prozent an der Anlage beteiligt. Weitere Gesellschafter sind Stadt Wassenberg mit 17,6 Prozent sowie 29 Landwirte mit insgesamt 50 Prozent Anteil. Das Gesamtinvestment beläuft sich auf 3,4 Millionen Euro. „Wir füttern diese Anlage“, verwandte Rainer Sender einen anschaulichen Terminus aus der tierischen Welt der Landwirtschaft. „Im Prinzip funktioniert diese Biogasanlage wie der Verdauungstrakt der Rinder“, setzte Sender in bildhafter Sprache seine Erklärungen fort. Aus der Siloanlage werden jährlich als Futter circa 12 470 Tonnen von kleingehäckseltem Mais als Silage entnommen. Zusätzlich werden 6570 Tonnen Rindergülle jährlich benötigt. Bei Bedarf werden zudem 92 Tonnen Getreidekörner verbraucht.

Die Geruchsbelästigung vor Ort war minimal. Die Geruchsnote der Silage erinnere an Sauerkraut, blieb Sender bei seiner plastischen Sprache und ließ die Teilnehmer zur Überprüfung eine Geruchsprobe machen.

Die Anlage besteht aus einer befahrbaren Siloanlage mit 15 000 Tonnen Kapazität, einem Güllelager aus Spannbetonbehälter mit 500 Kubikmetern Inhalt sowie einer „Fütterungsanlage“, aus einem Fermenter-Behälter aus emailliertem Stahl, der mit 14,70 Metern Höhe alle anderen Anlagenteile überragt, einem Nachgärer aus emailliertem Stahl und zwei Gärrestelager. Die Gärreste werden als Dünger weiter verwendet.

Das durch Gärung hergestellte Biogas wird zum Betrieb eines Blockheizkraftwerks genutzt, welches Strom und Wärme produziert. Die Jahresmenge von 6700 MWh produziertem Strom versorgt rechnerisch 1900 Haushalte. Mit der jährlich erzeugten Wärme von 7300 MWh könnten 360 Einfamilienhäuser versorgt werden. Genutzt wird die Wärme aber ganz praktisch für einen anderen Zweck: für das nahe Parkbad.

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