Aachen: Neuer Glanz für den ramponierten Orden

Aachen : Neuer Glanz für den ramponierten Orden

Adeliger Glanz für den im vergangenen Jahr ramponierten „Orden wider den tierischen Ernst”: Als Powerfrau in emanzipatorischer Mission hat Gloria Fürstin von Thurn und Taxis am Samstag die prestigeträchtige Karnevalsauszeichnung in Aachen entgegengenommen.

Die Frau im naiv-schönen Märchenprinzessinnen- Kostüm entpuppte sich in ihrer Antrittsrede als temperamentvolle und bodenständige Kämpferin für die Gleichberechtigung.

Nach einer bis dahin das Saalpublikum wenig mitreißenden Sitzung riss der ehemals schrille Star des Jetsets und die jetzige „papsttreue Christin” und erfolgreiche Unternehmerin die festliche Gesellschaft zu Begeisterungsstürmen hin und markierte zumindest augenscheinlich das Ende der Aachener Ordens-Krise.

Die hatte vergangenes Jahr mit der Verleihung an Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und der Laudatio von Friedrich Merz begonnen. Die Ritterrede wurde als langweilig kritisiert. Merz nannte in seiner Laudatio reihenweise den Namen der Airline. Die Aachener überzogen bei der ARD-Live-Sendung wie sonst nur Thomas Gottschalk. Es gab Ärger mit dem WDR, der Hauptsponsor zog sich vorübergehend zurück. Der Orden lag am Boden.

„Diese Frau ist Humor pur”, sagte der Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV), Horst Wollgarten. Er würdigte die 47-Jährige als moderne Powerfrau mit dem Lebensmotto: „Mit Humor lebt es sich besser.” Sie sei couragiert, authentisch und habe den Wandel vom „Enfant terrible” (schrecklichen Kind) des Jetsets zur engagierten Mutter vollzogen.

Trotz der Seriosität riss sie sich während ihrer Antrittsrede den wallenden Rock ihres Prinzessinnen-Kleids vom Leib, um im darunter fescheren Röckchen auf der Bühne zu stehen. Sie hielt ein humorvolles und flammendes Plädoyer für die Gleichberechtigung. Die forderte sie auch für den Tritt ins Fettnäpfchen.

Sieben Jahre nach ihrer Unterstellung in einer ARD-Talkshow, Afrikaner schnackselten besonders viel (hätten viel Sex) sagte sie: „Denn auch, liebe Leut´, beim Fettnäpfchen-Treten, hab ich um Gleichberechtigung gebeten”. Gloria hatte damals mit der Äußerung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Der Air-Berlin-Chef und letztjährige Ritter Joachim Hunold beschrieb in seiner vergleichsweise wenig spritzigen Laudatio die Wandlung der Fürstin von „Pippi Langstrumpf unter den Blaublütern” zur anerkannten Managerin, mit der in der Öffentlichkeit wenig bekannten sozialen Ader.

Der „Orden wider den tierischen Ernst” wird seit 1950 für Humor und Menschlichkeit im Amt verliehen. Von den drei bisherigen Ordensträgerinnen - Literaturprofessorin Gertrud Höhler (1988), Ex- Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (1994) und Schleswig- Holsteins ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (1998) - zeigte einzig Simonis Frauensolidarität. Die anderen beiden waren der Verleihung in Aachen ferngeblieben.