Exzellenz-Förderung für „internationale Spitzenforschung“ notwendig: „Natürlich wurde vorab viel diskutiert“

Exzellenz-Förderung für „internationale Spitzenforschung“ notwendig : „Natürlich wurde vorab viel diskutiert“

Als Bundesministerin für Bildung und Forschung liegt es in ihrem Interesse, dass Deutschlands Hochschullandschaft internationale Strahlkraft entfaltet. Anja Karliczek (CDU) verkündet stolz, welche elf Universitäten in den nächsten sieben Jahren den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen dürfen. Darüber sprach sie mit Katharina Menne.

Frau Karliczek, als Bundesforschungsministerin galt Ihre Stimme im Entscheidungsprozess 16-fach. Was ist das für eine Verantwortung?

Anja Karliczek: In der Bestenauslese für die Exzellenzuniversitäten hat der Bund aus guten Gründen keine dominierende Rolle. Das Votum unabhängiger Wissenschaftler prägt vielmehr die Entscheidung. Außerdem hat jedes Land nochmal je eine Stimme. Für die erforderliche doppelte Mehrheit von Bund und Ländern müssen weitere neun Landesminister mit Ja stimmen. Und dann muss zusätzlich noch mindestens die Hälfte der Wissenschaftler aus dem internationalen Expertengremium Ja sagen. Nur wenn das zusammenkommt, ist die Entscheidung getroffen. Ich kann also nicht allein bestimmen.

Dann hatten ihre 16 Stimmen aber doch trotzdem eine gewisse Tragweite…

Karliczek: Natürlich haben 16 Stimmen Gewicht. Aber der Bund hat schließlich auch eine große Verantwortung für das Zukunftsfeld Forschung und zahlt auch Dreiviertel der Gesamtfördersumme. Das beides ist wichtig. Das Schöne an der Entscheidung am Freitag in Bonn war aber, dass sie einstimmig erfolgt ist. Alle, die am Tisch saßen, Wissenschaftler und Politiker, waren sich einig.

Wurde da gar nicht diskutiert?

Karliczek: Natürlich wurde vorab viel gesprochen und auch diskutiert. Aber wir sagen ja nicht umsonst, dass es sich um ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren handelt. Neben den Anträgen, die die Universitäten eingereicht haben, finden vorab Vor-Ort-Begutachtungen des Expertengremiums statt. Zu Beginn dieser Woche haben sich die Wissenschaftler dann zur Beratung nochmal für drei Tage eingeschlossen und intensiv über die Unterschiede diskutiert. Am Ende dieses Prozesses hat das Expertengremium den Landesministern und mir eine Prioritätenliste vorgelegt mit elf Hochschulen, die ihre Strategien am überzeugendsten dargelegt haben. Heute haben wir uns natürlich trotzdem nochmal alle 19 Anträge im Detail erklären lassen, das Für und Wider abgewogen und dann abgestimmt.

Gab es denn auch Überraschungen?

Karliczek: Es bleibt vor allem die Botschaft, dass es nicht selbstverständlich ist, in der Förderung als Exzellenzuniversität zu bleiben, wenn man einmal den Status erreicht hat. Man kann rausfallen. Diese Möglichkeit ist aber wichtig, um eine Dynamik im Wissenschaftssystem zu erhalten. Wir wollen, dass die Selbst-Überprüfung immer wieder stattfindet, ob man mit seiner Strategie auf dem richtigen Weg ist. Ein exzellentes Wissenschaftssystem ist auch eine Voraussetzung für Fortschritt und Wohlstand.

Wie ist Ihre Einschätzung bezüglich der RWTH Aachen?

Karliczek: Aachen hat eine sehr starke Bewerbung vorgelegt. Die Gutachter haben der Universität höchstes Niveau bescheinigt. Die RWTH genießt international ein großes Renommee. Ich möchte keinesfalls von „erwartbar“ sprechen, aber der hohe wissenschaftliche Standard eilt der RWTH voraus.