Kreis Düren: Nahverkehr im Kreis Düren soll attraktiver werden

Kreis Düren: Nahverkehr im Kreis Düren soll attraktiver werden

Wer von A nach B fahren möchte, kann dazu als Alternative zum Auto auch den Bus nehmen. Doch wie dicht ist das Verkehrsnetz geknüpft? Wo gibt es Lücken? Welche Angebote fehlen? Derzeit wird der Nahverkehrsplan für den Kreis Düren neu aufgestellt.

Einen ersten Bericht gab es im Ausschuss für Kreis- und Regionalentwicklung. Wir stellen wichtige Punkte vor.

Welche Ziele verfolgt der Kreis mit der Neuaufstellung?

Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) soll schneller und attraktiver werden. Das Angebot soll konkurrenzfähiger werden, damit mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen. Verbindungen sollen besser auf die Nachfrage zugeschnitten werden. Dazu gehört beispielsweise eine Anpassung von Strecken und Fahrplan-Taktung auf neue Gewerbe- und Wohngebiete. Im Vorfeld wurde deswegen auch eine Haushaltsbefragung zur Wahl der Verkehrsmittel durchgeführt. Soweit wie möglich sollen alle Leistungen von der Dürener Kreisbahn erbracht werden. Da es sich dabei um ein eigenes Verkehrsunternehmen handelt, ist für den Kreis eine Direktvergabe ohne europaweite Ausschreibung möglich.

Welche Ergebnisse hat die Befragung gebracht?

22 500 Haushalte wurden angeschrieben, 3024 beteiligten sich. Die Angaben von 6458 Menschen wurden berücksichtigt. Abgefragt wurde nicht nur die Wahl des Verkehrsmittels (Grafik unten), sondern für jede zurückgelegte Strecke auch Grund und Ziel. Dominierende Anlässe sind Fahrten zur Arbeit und zur Ausbildung (27,2 und 11,6 Prozent) sowie Einkaufstouren (17,5 Prozent) und Besorgungen, zu denen Fahrten zum Arzt oder zur Bank zählen (11,5 Prozent). Immer mehr Bedeutung erhält nach Aussage der Projektplaner der Punkt „Bringen und Holen“. Damit sind beispielsweise Fahrten mit Kindern zur Musikschule gemeint, aber auch die Versorgung und Pflege von älteren Familienangehörigen.

Gibt es Unterschiede zwischen den Kommunen?

Zwischen den Kommunen des Kreises gibt es deutliche Unterschiede. So ist in Jülich der Anteil der Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, mit 17,2 Prozent überdurchschnittlich hoch. Düren ist hingegen Spitze bei der Nutzung von Bus und Bahn. Nur in der Kreisstadt liegt der Anteil der Autonutzung unter 60 Prozent. In Titz liegt der Wert bei 79 Prozent. Generell wird im Südkreis stärker auf das Auto zurückgegriffen. Die stärksten Pendelbewegungen gibt es jeweils zwischen Jülich und Düren und den umliegenden Kommunen.

Welche Rolle spielt der ÖPNV?

Etwa 52 Prozent aller Fahrten mit Bus und Bahn gehen auf das Konto Ausbildung, 24 Prozent auf das Konto Arbeit. Einkäufe und Arztbesuche werden nur zu zwölf Prozent mit Bus und Bahn erledigt.

Welche Schwachstellen gibt es im bisherigen ÖPNV-Netz?

Die Gemeinden Titz, Aldenhoven, Inden, Hürtgenwald (mit Ausnahme des Rurtalbahn-Haltepunktes Zerkall am Rand der Gemeinde), Nörvenich und Vettweiß sind nicht an den (aktiven) Schienenverkehr angeschlossen, in der Gemeinde Niederzier und in der Stadt Nideggen sind die kommunalen Zentren nicht angebunden. In den Gemeinden Aldenhoven und Vettweiß gibt es eine Schnellbus-Linie. Viele Strecken werden aber eher mit dem Auto zurückgelegt. Der geringere ÖPNV-Anteil (Schulbusse sind eine Ausnahme) weist aus Sicht der Verkehrsplaner auf Mängel im Verkehrsangebot hin. Die Reisezeiten mit dem Bus würden als zu lang empfunden. Am Beispiel der Strecke Titz-Jülich zeigt sich: Unter 30 Minuten ist Jülich mit dem Bus kaum zu erreichen, bevorzugtes Verkehrsmittel der Befragten ist daher das Auto. Ebenso mangelt es im Südkreis an schnellen Verbindungen zum Oberzentrum Düren und damit zum Bahnanschluss Richtung Aachen und Köln.

Was ist geplant, um die Schwachstellen zu beseitigen?

Im Kreisgebiet soll als Alternative zum Auto ein Schnellbus-Netz geknüpft werden. Alle Gemeinden sollen einen Anschluss erhalten. Ziel ist mit Blick auf Geschwindigkeit und Komfort eine Gesamtqualität „nur knapp unterhalb“ des Schienenverkehrs. Neue Direktverbindungen sollen die Reisezeiten verkürzen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch Haltestellen wegfallen können.

Sollen bestehende Buslinien gestrichen werden?

Ziel der Planer ist es, alle Verbindungen unter die Lupe zu nehmen. Das Schnellbus-Netz soll aber eine Ergänzung sein, kein Ersatz. Auch in Zukunft sollen kleinere Orte per ÖPNV erreichbar sein. Geprüft wird allerdings, ob in Randbereichen beispielsweise kleinere Busse oder alternative Konzepte wie ein „Anruf-Linien-Taxi“ zum Einsatz kommen könnten. An den Eckpunkten der Schnellbus-Linien soll es an Mobilitätsstationen Parkplätze geben, aber auch Möglichkeiten des Umstiegs auf andere Buslinien. E-Autos, E-Räder und Car-Sharing-Konzepte gehören zum Mobilitätskonzept.

Wie geht es mit der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans weiter?

Der Ausschuss für Kreis- und Regionalentwicklung hat weiteren Planungen zum Schnellbus-Netz grünes Licht gegeben. Nun sollen die Details für alle Gemeinden erarbeitet werden. Bis zur Sommerpause des Kreistags soll der Nahverkehrsplan fertig sein. „In der Diskussion ist klargeworden, dass kleinere und abgelegenere Orte nicht von der Versorgung abgeschnitten werden dürfen“, bekräftigte der Ausschussvorsitzende Karl Schavier (CDU) noch einmal die Forderungen der Politik. In den kommenden Wochen werden unter anderem die Städte und Gemeinden noch zweimal um Stellungnahme gebeten.