Erkelenz-Lövenich: Nachbarschaft betrachtet die Wühlmäuse mit Skepsis

Erkelenz-Lövenich: Nachbarschaft betrachtet die Wühlmäuse mit Skepsis

Im Prinzip weiß niemand genau Bescheid. Und dennoch schlagen die Wogen der Empörung hoch, nachdem der Plan des Vereins Wühlmäuse bekannt geworden ist, im Wald neben dem Bolzplatz an der Bruchstraße in Lövenich einen Waldkindergarten zu betreiben.

Die lokalen Größen der Kommunalpolitik fühlten sich übergangen, die Nachbarn fürchten um Fauna und Flora sowie den zunehmenden Verkehr. Mithin sah sich die Vorsitzende des Bezirksausschusses, Kerstin Schaaf, genötigt, bei einer Sitzung das Informationsbedürfnis zu decken, um eventuell Vorbehalte zu entkräften.

In einer Unterschriftenliste hatten 42 Anwohner der Bruchstraße ihre Bedenken und ihre Ablehnung des geplanten Hortes in der freien Natur geäußert. Buschwerk, Pflanzen und Bäume würden beeinträchtigt. Die geschützte Vogelwelt würde beeinträchtigt, das Wild würde aufgeschreckt und den Wald verlassen.

Obendrein würde der zunehmende Straßenverkehr für Störungen sorgen. Auch wurde befürchtet, die bestehenden Kindergärten in Lövenich könnten durch einen zusätzlichen in ihrer Existenz bedroht sein.

Zu allen Bedenken gab es bei der gut besuchten Sitzung in der Mehrzweckhalle Entgegnungen. Florian Kutz vom Vorstand der Wühlmäuse bedauerte, dass die Informationen bisher offenbar an der Nachbarschaft vorbeigegangen seien. Er sicherte zu, eine weitere Informationsveranstaltung mit den Anliegern durchzuführen.

Den Politikern schrieb der Erste Beigeordnete Dr. Hans-Heiner Gotzen ins Stammbuch, ihre Stellungnahme sei zum derzeitigen Zeitpunkt des Verfahrens noch gar nicht relevant, da es noch nicht einmal einen Beschluss gebe, über den der Bezirksausschuss diskutieren könnte.

Bei der Sitzung kristallisierte sich langsam der Sachstand heraus: Der Verein die Wühlmäuse will zum 1. August den Waldkindergarten mit einer Gruppe von maximal 20 Kindern betreiben. Die Stadt Erkelenz muss bei der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses dem Verein die Erlaubnis erteilen, als freier Träger tätig zu werden.

Wo der Verein dann den Waldkindergarten einrichtet, ist im Prinzip nicht mehr Sache der Stadt. Dennoch war sie bei der Suche behilflich, zumal sie in einem Waldkindergarten eine zusätzliche Betreuungsmöglichkeit in Erkelenz sieht. „Das ist ein Kindergarten für das gesamte Stadtgebiet”, betonte Gotzen, „und nicht für Lövenich.”

Bei er Suche nach einem geeigneten Platz wurde der Verein mit Begleitung der unteren Landschaftsschutzbehörde in Lövenich am Bolzplatz fündig. Der Landschaftsbeirat, in dem unter anderem auch Naturschützer und Jäger mitwirken, stimmte einstimmig diesem Platz zu.

Alternativen wurden von den Naturschutzbehörden verworfen: Der Wahnenbusch eignet sich nicht wegen der vielen Mulden und der Feuchtigkeit, der Mennekrather Baumschulpark scheidet unter anderem wegen der Nähe zur Autobahn aus. Eine Waldfläche bei Granterath hat einen zu wertvollen und alten Baumbestand. So blieb der Standort in Lövenich, bei dem es aus Sicht des Naturschutzes keine Bedenken gibt.

Optimal ist auch die vorhandene Infrastruktur am Bolzplatz mit Kanalisation und Stromanschluss, die den Bau einer kleinen Blockhütte ermöglicht. Die Zufahrt zum Transport der maximal 20 Kinder soll, so die Verwaltung, nicht über die Buschstraße erfolgen., so dass Bedenken gegenstandslos seien. Nunmehr geht das Projekt seinen Weg mit weiteren Diskussionen und Beschlüssen, bis es dann im August eventuell in Betrieb geht.

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