Aachen: Multimedialer Unterricht:„Es geht nicht nur um schicke Tablets“

Aachen: Multimedialer Unterricht:„Es geht nicht nur um schicke Tablets“

Multimedialer Unterricht macht das Lernen leichter und baut soziale Grenzen ab. Das sind wesentliche Vorteile, die Lara Langfort-Riepe bei den neuen Medien ausmacht.

Kehren wir einmal zurück ins Klassenzimmer: Immer mehr Kinder besitzen bereits im Grundschulalter ein eigenes Smartphone. Die Faszination, die die neuen Medien auf junge Menschen ausüben, ist enorm. Was ist Ihrer Meinung nach das optimale „Einstiegsalter“?

Langfort-Riepe: Ein konkretes Alter zu nennen, ist schwierig. Heranwachsenden den Umgang mit den neuen Medien generell zu verbieten, halte ich jedoch für den falschen Weg. Eltern müssen individuell gucken: Welche Fähigkeiten bringt mein Kind mit? Wie geht es mit Medien um? Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist natürlich die Funktion der Eltern. Sie müssen die Medienerfahrung ihrer Kinder begleiten — und dabei auch klare Regeln aufstellen, was zum Beispiel den Umfang der Nutzung angeht. Darüber hinaus sollten insbesondere jüngere Kinder nicht vor dem Fernseher oder Computer alleine gelassen werden.

Schule befindet sich im Wandel. Am Einhard-Gymnasium soll bald die erste Tabletklasse an den Start gehen. Wie steht es um die Tabletausstattung im Medienzentrum?

Langfort-Riepe: Wir denken in der Tat gerade darüber nach, einen Satz Tablets anzuschaffen. Lehrer könnten diese dann für Projekte in ihren Klassen ausleihen. Das Pilotprojekt am Einhard-Gymnasium sehen wir sehr positiv. Dort werden Eltern die Tablets für ihre Kinder kaufen, damit diese sie dann im Unterricht benutzen können. Stichwort: Bring your own device! Was am Einhard funktioniert, ist aber sicherlich nicht eins zu eins auf alle anderen Schulen übertragbar. Bei dem Einsatz von eigenen Geräten gilt: Es müssen viele Rahmenbedingungen beachtet werden. Neben sozialen Gesichtspunkten spielen so auch Aspekte wie Datenschutz eine Rolle. Eine Bereitstellung von Tablets durch das Medienzentrum ist eine gute Option, damit auch andere Schulen diese Technik nutzen können.

Moderne Medien werden den Unterrichtsalltag also immer stärker bestimmen.

Langfort-Riepe: Davon kann man ausgehen. Wichtig ist aber: Die Basis muss die Pädagogik sein. Es geht nicht in erster Linie um schicke Tablets und eine tolle IT-Ausstattung, sondern um die Frage: Wie kann ich die pädagogischen Herausforderungen mit den Chancen des technologischen Fortschritts bestmöglich verbinden?

Können Sie das an einem Beispiel deutlich machen?

Langfort-Riepe: Wir besitzen interaktive Systeme, die Lehrer im Unterricht über die Whiteboards — also die modernen, multimedial einsetzbaren Tafeln — im Unterricht benutzen können. Das bietet meiner Meinung nach gerade auch im Grundschulbereich tolle Möglichkeiten. Möchte ein Lehrer nun zum Beispiel mit seinen Schülern in der Biologiestunde über ein Gürteltier sprechen, kann er dieses schnell und unkompliziert visuell darstellen. Das erleichtert die pädagogische Arbeit ungemein. Nicht jedes Kind heute weiß, was ein Gürteltier ist, wie es aussieht. Sehen sie es als Bild auf dem Whiteboard, das ein wenig wie ein riesiges iPad funktioniert, gelingt die Vermittlung der Lerninhalte viel eingängiger. Die Kinder sehen sofort: Aha, das ist ein Gürteltier!

Bietet der Einsatz moderner Medien weitere Vorteile?

Langfort-Riepe: Diese Form des medienunterstützten Unterrichts baut zudem Barrieren ab. Auch Kinder, die zum Beispiel die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschen, können so schneller in den Unterricht integriert werden. Was ich auch sehr spannend finde: Es gibt mittlerweile auch Medienpakete in arabischer Sprache, die wir in Zukunft einsetzen könnten, um beispielsweise mit Flüchtlingskindern in Schulen zu arbeiten.