Berlin: Mordkommission Istanbul

Berlin : Mordkommission Istanbul

Nach dem Fall „Ein Dorf unter Verdacht” vor einer Woche gibt es nun gleich einen zweiten Film aus der Reihe „Mordkommission Istanbul”. Diesmal heißt er „Der verlorene Sohn” und erzählt von einem Mann, der zum Mörder wurde und der dennoch wie ein Bruder für den Sohn des Ermordeten war. Wie das geht, ist an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen.

Keine drei Wochen ist Riza Bastürk aus dem Gefängnis entlassen, da wird er von einem Straßenjungen gefunden - tot im Gebüsch am Bosporus liegend. Er war zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er den berühmten Sternekoch Süleyman Çamlik ermordet hat. Ins Visier der beiden Kommissare Özakin (Erol Sander) und Tombul (Oscar Ortega Sánchez) geraten nicht nur der leibliche Vater von Bastürk, sondern auch Çamliks Witwe Güley (Gudrun Landgrebe) und ihr Sohn Deniz (Deniz Cooper), für den Bastürk lange wie ein Bruder war. Bis Deniz klar wurde, dass Riza viel mehr Talent besaß als er selbst. Die Ermittler finden bald heraus, dass das Restaurant der Camliks in existenziellen Schwierigkeiten steckt und Deniz dunkle Geschäfte (Stichwort: Straßenkinder und angebliche Wohltätigkeit) hinter der glitzernden Fassade seines Sternerestaurants betreibt.

Dieser Fall ist deutlich konventioneller gestrickt als der letzte, der ein so brisantes Thema wie Homosexualität in der Türkei behandelt hat. Hier geht es um eine andere Art von Familientragödie: Ein Ziehvater wird ausgerechnet von seinem Ziehsohn ermordet, und der leibliche Sohn soll den wiederum ermordet haben, weil er in ihm zunehmend einen Konkurrenten sah. Das hätte durchaus spannend inszeniert werden können, zumal auch noch eine hartnäckige Journalistin entführt wird. Aber heraus kommt lediglich eine mäßige Geschichte mitsamt viel Herumgeballere und gestelzten Dialogen.

Ärgerlich ist auch der Umstand, dass der Kommissar und die Pathologin irgendwie ständig aneinander vorbei agieren und noch nicht mal ein gemeinsames Essen auf die Reihe kriegen. Immerhin erfährt man, dass sie in Ankara ein Verhältnis mit ihrem Chef hatte, der verheiratet war, wovon sie angeblich nichts gewusst hat. „Die Neue ist in ihrem Metier eine selbstbewusste Charakterfrau, die sich garantiert nicht von ihren männlichen Kollegen die Butter vom Brot nehmen lässt”, sagte Melanie Winiger (37, „Spuren der Rache”, ARD) im ARD-Interview über ihre Rolle. „Natürlich hat sie auch ihre sinnlichen, ihre feinfühligen und sensiblen Seiten, die sie gern erst einmal hinter einer Schutzmauer verbirgt.” Und Erol Sander ergänzte dazu im selben Interview: „Mehmet muss sich anstrengen, es ist keine leichte Aufgabe für ihn. Das Gesamtpaket sorgt für die Impulse.”

Ein paar mehr Impulse hätten diesem Film (Regie: Marc Brummund) ganz sicher nicht geschadet. Hier zeigt sich einmal wieder sehr deutlich, dass perfekt deutschsprachige Schauspieler (mitsamt einigen deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und Korrektheit) als Ermittler an ausländischen Schauplätzen vollkommen deplatziert wirken - zumal sie natürlich allesamt fließend deutsch sprechen und die Synchronisation der anderen Schauspieler oft störend wirkt. Und wenn sich dann auch noch eine Schauspielerin wie Gudrun Landgrebe in solch eine unglaubhafte Geschichte verirrt, dann ist schnell zu merken, dass da einiges „getürkt” ist und das Geschehen mit den echten Gegebenheiten vor Ort rein gar nichts zu tun hat.

Zwar ist auch dieser Film noch vor dem Putsch im Sommer 2016 gedreht worden, doch die beiden nächsten Fälle („Gier” und „Schlafende Hunde”) wurden nicht mehr in Istanbul, sondern in Izmir in Szene gesetzt. Da schaut es ja auch ganz ähnlich aus (obwohl es deutlich kleiner ist), doch dem einen oder anderen Zuschauer könnte der Ortswechsel sehr wohl auffallen.

(dpa)