Kreis Düren: Mobilität im Kreis Düren: Per E-Bus und Wasserstoff in die Zukunft?

Kreis Düren: Mobilität im Kreis Düren: Per E-Bus und Wasserstoff in die Zukunft?

Der Grundsatzbeschluss ist noch nicht gefasst, aber Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) formuliert ein ehrgeiziges Ziel, wenn es um die Mobilität der Zukunft im Kreis Düren geht: „Wir wollen völlig CO2-frei fahren.“ Ein Grund dafür: Der Kreis will der Stadt Düren dabei helfen, die Ziele des Luftreinhalteplanes einzuhalten.

Der sieht unter anderem eine Modernisierung der Busflotte im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor. Träger ist allerdings nicht die Stadt, sondern der Kreis. Und der plant die Neuauschreibung des Nahverkehrsplans zum 1. Januar 2019 — vermutlich mit einer großen Neuerung. Landrat Wolfgang Spelthahn: „Wir überlegen derzeit, ob es nicht klüger wäre, wenn der Kreis selbst über seine Beteiligungsgesellschaft die Infrastruktur übernimmt, also die Strecke und die Fahrzeuge.“

Das hätte in der Tat den Charme, dass der Kreis direkt Einfluss auf die zügige Umsetzung einer Modernisierung der ÖPNV-Flotte nehmen könnte. Die Alternative: Der Kreis müsste in einer Ausschreibung Mindeststandards beispielsweise für Busse formulieren, die auf den jeweiligen Strecken eingesetzt werden könnten. Das würde vermutlich dazu führen, dass frühestens mit Inkrafttreten des neuen Nahverkehrsplanes Anfang 2019 entsprechende Investitionen getätigt würden.

Der Kreis hingegen könnte bei einer Übernahme von Strecken und Fahrzeugen früher in moderne Technik investieren und auch auf entsprechende Förderprogramme von Land und Bund zugreifen. Spelthahn setzt dabei große Hoffnung in einen Mix von Elektromobilität und dem Einsatz von Brennstoffzellentechnik. Letzteres vor allem im Bereich der Schiene, aber nicht nur. Noch immer wird ein Teil der Schienenstrecken mit alten Dieselfahrzeugen betrieben.

Spelthahn: „Wenn wir die Bördebahn bis Zülpich und Euskirchen reaktivieren wollen oder die Schiene von Linnich über Baal und Lindern nach Düsseldorf anbinden wollen und die Strecken dann elektrifizieren würden, entstünden exorbitant hohe Kosten.“ Viel sinnvoller sei da der Einsatz von Brennstoffzellentechnik.

Bereits im vergangenen Jahr wurde auf der Fachmesse „InnoTrans“ der Bahnindustrie in Berlin ein vollständig emissionsfreier Zug der Firma Alstom präsentiert. Das Unternehmen ist in Düren nicht unbekannt, schließlich haben sie zuletzt auch die neuen Züge für die Rurtalbahn geliefert — noch mit Dieseltechnik ausgerüstet.

Spelthahn war schon bei der Messe vor Ort und will den Einsatz dieser Züge prüfen. In einem Pilotprojekt der vier Bundesländer Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen und NRW sollen die Züge auf Teststrecken eingesetzt werden. „Mit im Boot ist der Nahverkehrsverband Rheinland, und der Projekträger sitzt in Jülich“, berichtet Spelthahn, dass die Überlegungen mit Blick auf einen möglichen Einsatz auch im Kreis Düren schon weit fortgeschritten seien.

So ist in der Studie „Wasserstoff-Infrastruktur für die Schiene“ des Bundesverkehrsministeriums eine Strecke im Kreis Düren bereits ausdrücklich als Pilotprojekt vermerkt. NRW hat zudem bereits eine Absichtserklärung über den Ankauf von zehn Zügen von Alstom abgegeben.

Natürlich kann ein Pilotprojekt auf der Schiene nicht kurzfristig dabei helfen, Stickstoffdioxid-Belastungen auf der Euskirchener Straße zu senken, es wäre aber eben auch nur ein Teil eines umfassend neuen Konzeptes. Immerhin bietet Alstom gleichzeitig auch elektrisch betriebene Busse an.

E-Busse kann sich Spelthahn „gerade auf innerstädtischen Linien mit einer kurzen Taktung und wenigen Kilometern“ vorstellen. Seine Idealvorstellung ist aber, auch hier einen Antriebsmix zu ermöglichen. Denkbar wäre, dass E-Busse innerstädtische Linien bedienen, wasserstoffbetriebene Busse eher im ländlichen Bereich eingesetzt werden. Diese Busse sind noch in der Erprobungsphase.

An diesem Freitag wird der Aufsichtsrat der Dürener Kreisbahn tagen, dann soll laut Spelthahn ein entsprechender Beschluss gefasst werden. Die Umsetzung bei den E-Bussen könnte dann sehr zügig umgesetzt werden. Fünf bis zehn neue E-Fahrzeuge könnten es im Jahr sein, die dann geordert werden. Aktuell setzt die DKB 60 eigene Fahrzeuge ein, plus 22 Busse, die von Subunternehmern bereitgestellt werden.

Spelthahn sieht das Projekt als einmalige Chance, den ÖPNV kreisweit klimaneutral zu organisieren. „Bisher wurden 50 Prozent unseres Netzes von der DKB und die anderen 50 Prozent von der Regionalverkehr Euregio Maas-Rhein betrieben. Jetzt sind wir erstmals in der Lage, das gesamte Netz in einer Hand auszuschreiben.“ Eine Chance, die Spelthahn nutzen will.

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