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zur Webansicht Mi. 23.08.2017

E-Book-Reihe „Lucid“: Die Grenzen des Klartraums austesten

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ein Abstecher zum Mond, ein Rendezvous mit George Clooney oder auch einfach nur ein entspannter Abend mit einem Cocktail am Strand in der Karibik: Im Traum sind viele Szenarien möglich. Nur haben die meisten Menschen keinen Einfluss darauf. Es sei denn sie sind sogenannte Klarträumer, auch luzide Träumer genannt.

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Dennis Todorovic (l.) und Christoph Mathieu spielen mit den Grenzen des Klarträumens. Ihre E-Book-Reihe „Lucid: Tödliche Träume“ spielt unter anderem in Jülich und in Aachen. Foto: Harald Krömer

Sie können bewusst die Kontrolle über ihre Träume übernehmen und sie nach Belieben verändern und lenken. Sie werden sozusagen zum Drehbuchschreiber ihres ganz persönlichen Kinofilms. Real wirkt das Geschehen trotzdem, auch wenn es mitunter wenig mit der Realität zu tun hat.

Die Fähigkeit des Klarträumens überlässt der Autor und Journalist Christoph Mathieu trotzdem lieber der Protagonistin seines ersten Romans „Lucid: Tödliche Träume“. „Das wäre mir zu anstrengend“, sagt der 35-Jährige aus Baesweiler. Und auch sein Co-Autor Dennis Todorovic pflichtet ihm bei: „Ich bin froh, wenn ich überhaupt schlafen kann. Dann möchte ich lieber einer Geschichte zugucken, als sie selbst aktiv zu beeinflussen.“

Geschlafen haben die beiden Wahl-Kölner in den vergangenen drei Jahren wenig. Stattdessen haben sie an der Geschichte ihrer Protagonistin Signe Mortensen getüftelt – nach der Arbeit, am Wochenende, in der Nacht. Das Ergebnis ist ein sechsteiliger Science-Fiction-Thriller, der im Februar in der Verlagsgruppe Bastei Lübbe als E-Book erschienen ist. Und der die Geschichte einer jungen Künstlerin erzählt, die als luzide Träumerin nicht nur ihre Träume bewusst steuert, sondern auch die Erinnerungen fremder Menschen dauerhaft verändern kann.

„Lucid“ – das englische Wort für luzid, klar – steht für ein wissenschaftlich nachgewiesenes Phänomen, das Mathieu und Todorovic schon seit Jahren fasziniert. „Als mir das erste Mal jemand davon erzählt hat, dass er seine Träume beeinflussen könne, hielt ich ihn für einen Spinner“, sagt Todorovic. Heute weiß der 39-jährige gebürtige Schwabe, dass lediglich die in seinem Roman thematisierte Möglichkeit, fremde Erinnerungen im Schlaf beeinflussen zu können, zum Bereich der Science Fiction gehört – noch.

Bereits 2014 hatten Mathieu und Todorovic, die sich an der Filmhochschule Köln kennengelernt haben, die Grenzen des Klarträumens fiktiv ausgetestet. Ursprünglich als Webserie konzipiert, hatten sie sich mit einer Vorform von „Lucid“ für das Wim-Wenders-Stipendium für junge Filmemacher beworben – ohne Erfolg. Erst ein Jahr später holten sie die Geschichte wieder aus der vorübergehenden Versenkung hervor und entwickelten sie als E-Book-Reihe.

„Letztlich war es gut für ‚Lucid‘, dass es ein Roman geworden ist“, sagt Todorovic rückblickend. Das Eintauchen in innere Traumwelten, die freie Assoziation von Erinnerungen, all das wäre filmisch schwer umzusetzen gewesen. Das Wim-Wenders-Stipendium gewannen die beiden Autoren dann übrigens doch noch: 2015 für ihr 3D-Projekt „Die Laika-Kapsel“.

Sollte „Lucid“ doch eines Tages verfilmt werden, müssten Mathieu und Todorovic, der als Regisseur und Drehbuchautor bereits zwei Kinofilme vorzuweisen hat, nicht lange nach geeigneten Drehorten suchen. „Wenn jemand eine Technologie entwickeln könnte, mit der man die Träume und Erinnerungen anderer Menschen bereisen kann, dann die Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich“, ist Mathieu überzeugt. So ist es kein Zufall, dass er seine Romanfigur an ebenjenem Forschungszentrum an dem fiktiven neurowissenschaftlichen Projekt Engram teilnehmen lässt.

„Die Story hat nach den Spielorten verlangt“, begründet Mathieu den regionalen Bezug. Die renommierte Kunstakademie in Düsseldorf, das Forschungszentrum in Jülich – und der Wohnort einer ehrgeizigen Wissenschaftlerin und eines EU-Funktionärs in Aachen, die sich auch nicht davor scheuen, für ihre beruflichen Ambitionen über Leichen zu gehen. „Man kann hier in der Region große, internationale Stoffe erzählen – und das sehr glaubwürdig.“

Glaubwürdig verteidigen Mathieu und Todorovic auch die Perspektiven und Chancen des von ihnen gewählten Mediums: „Dass nur das gedruckte Buch ein richtiges Buch ist, ist ein konservativer Gedanke“, sagt Todorovic. Nicht zuletzt der Erfolg von Büchern wie „50 Shades of Grey“ von E. L. James und „Der Marsianer“ von Andy Weir, die zunächst digital und im Eigenverlag erschienen sind, bewiesen dies. „Außerdem kann man ein E-Book viel besser im Bett lesen“, sagt Todorovic.

Ganz auf die gedruckte Form einer Geschichte haben Mathieu und Todorovic dann aber doch nicht verzichten können: Genau ein Mal existieren die insgesamt 600 Seiten von „Lucid: Tödliche Träume“ auf Papier, sagt Todorovic. „Und die liegen bei mir auf dem Fensterbrett.“

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