Erkelenz: Mit Mut und mit Bauch kämpft Christoph Stolzenberger gegen Rechts

Erkelenz: Mit Mut und mit Bauch kämpft Christoph Stolzenberger gegen Rechts

Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus — ein „Gift“, das die Gesellschaft durchdringe — steht für Christoph Stolzenberger, den Kreisvorstandssprecher und Bundestagskandidaten von Bündnis 90 / Die Grünen im Kreis Heinsberg, ganz oben auf seiner persönlichen politischen Agenda.

Offen verweist er auf seine Familiengeschichte, wenn er erklärt, warum Individualität, Freiheit und Gerechtigkeit für ihn maßgebliche Werte seien. Seine Eltern hätten gewollt, dass er ein religiöser Mensch werde. So sei er bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen. Er habe sich freikämpfen müssen. Das sei ihm gelungen und das habe ihn geprägt. Von daher sei ihm der Kampf gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit „moralische und politische Verpflichtung“. Und deshalb wirke er bei antifaschistischen Aktionen und sozialen Vereinigungen mit.

Zweifellos ein ganz besonderer Tag in seinem Leben war der 27. Februar 2016: Damals demonstrierten rund 1000 Menschen in Erkelenz für eine offene und tolerante Gesellschaft und setzten damit ein Zeichen gegen eine offensichtlich rechte Kundgebung, an der zur gleichen Zeit rund 130 Demonstranten teilnahmen. Gefolgt waren die 1000 Teilnehmer der Großdemonstration unter dem Motto „Bürger gegen Hass, Gewalt und Rassismus. Für eine offene, tolerante, friedliche und bunte Stadt Erkelenz“ dem Aufruf von Christoph Stolzenberger und vom Bündnis gegen Rechtsextremismus.

Mit Bestürzung — vor allem aber mit viel „Mut im Bauch“ — sieht Stolzenberger Versuche sogenannter aufrechter Bürger, „uns in eine politische und gesellschaftliche Steinzeit katapultieren zu wollen“. Diese Entwicklungen hätten ihn zu seiner Kandidatur bewogen. Angst vor dem Fremden oder Neid auf das Mobiltelefon des Flüchtlings würden zeigen, dass Grüne dringend gebraucht würden — und zwar auf Seiten der Zufluchtsuchenden, nicht auf Seiten der Bürokratie. „Wir können und müssen unsere politischen Ideale von einer sozialen, menschlichen, freien Gesellschaft gegen diejenigen verteidigen, die nur Angst und Hass schüren und keinerlei Lösungen anbieten.“ Er will kämpfen gegen Hass und Angst, für Gemeinsinn und Gerechtigkeit: „Mit Mut im Bauch! Wir können das! Ich habe Mut, ich habe Bauch!“

Seit 1999 ist Stolzenberger — nach kurzem Gastspiel bei der SPD — Mitglied der Grünen. ­Deren Werte und Ideen für eine nachhaltige und gerechte, offene, vielfältige und friedliche Gesellschaft sind für ihn der Grund, warum er diese Partei als seine politische Heimat betrachtet. Er tritt ein für eine gerechte und menschliche Sozial- und Drogenpolitik, er fordert die Abschaltung der umstrittenen belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel.

Stolzenberger weiß natürlich, dass seine Chancen, das Direktmandat zu gewinnen, minimal sind, sein Platz 35 auf der Grünen NRW-Liste aussichtslos ist, was den Einzug ins Parlament angeht, und seine Wunschkoalition („Rot-Grün“) kaum zustande kommen dürfte.

Seine Ziele für den 24. September: Die Grünen müssten im Kreis bei Erst- und Zweitstimmen besser abschneiden als die AfD. Und er würde gerne mehr Erststimmen für sich verbuchen als Zweitstimmen für die Partei. Erkennbar sucht er in der Wahl auch eine persönliche Bestätigung.

(disch)
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