Kreis Heinsberg: Mit dem „Waldzimmer” ein Versprechen eingelöst

Kreis Heinsberg: Mit dem „Waldzimmer” ein Versprechen eingelöst

„Sie bekommen was Schönes”, hatte der britische Bildhauer Professor Tony Cragg dem Vorstand des Kunstvereins Region Heinsberg vor zwei Jahren anlässlich seiner Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins in Unterbruch versprochen.

Wohlwissend, dass ihn Ausstellungsverplichtungen rund um den Globus und sein Amt als Rektor der Kunstakademie Düsseldorf wenig Zeit lassen würden, sein Versprechen einzulösen, hatte er den Termin zur Übergabe von „was Schönes” offen gelassen.

„Was lange währt, wird endlich gut”, ist ein alter Spruch, an den alle glauben, die die Hoffnung nicht aufgeben wollen. Im Fall von Tony Cragg, einem der renommiertesten Bildhauer der Gegenwart, hat diese Binsenweisheit sogar Wahrheitsgehalt. „Was Schönes” ist die Lithographie „Waldzimmer” geworden.

Das sauberste Wohnzimmer der Welt

Inspiriert wurde Cragg zu dieser Papierarbeit von den unberührten, skandinavischen Wäldern, dem „saubersten Wohnzimmer der Welt”, so Cragg, wo er seine Sommer verbringt. Gedruckt wurden die Lithographien von Felix Bauer in Köln; sie sind 50mal60 Zentimeter groß und vom Künstler handsigniert.

Mit „Waldzimmer” löst Tony Cragg eine zwei Jahre alte „Bringschuld” ein. Jeder Künstler, der im Kunstverein ausstellt, verplichtet sich, eine Edition von 25 Exemplaren abzuliefern. Durch den Verkauf dieser Editionen bestreitet der Kunstverein einen wesentlichen Teil seiner jährlichen Ausstellungskosten. Professor Cragg hat sozusagen als

Zins auf die etwas verspätete Editionabgabe noch fünf „Waldzimmer” drauf gelegt und auch noch auf das jedem Künstler zustehende Honorar verzichtet. „Recyceln Sie das Geld für den Kunstverein”, hatte Cragg gescherzt.

Leider sind schon alle 30 Lithographien verkauft. Ein Teil ging an die Abonnenten der Edition, die zahlen (man kann es im Fall dieses weltbekannten Künstlers nicht anders ausdrücken) „schlappe” 75 Euro, Mitglieder sind mit 100 Euro dabei, Nichtmitglieder, wenn sie denn ein Exemplar ergattern konnten, zahlen 120 Euro.

Willy Lennartz, beim Kunstverein für die Finanzen zuständig, war hocherfreut, als er nun den lang erwarteten Anruf erhielt, die Edition könne in der Kunstakademie Düsseldorf abgeholt werden. Welchem Meister er da gegenüberstand, wurde Lennartz spätestens beim mit der Editions-Übergabe verbundenen Besuch von Craggs Skulpturenpark „Waldfrieden” deutlich, einer alten Villa mit Park in Wuppertal, die Cragg erworben und zu einem Museum umgestaltet hatte. Wieso denn ein weltweit anerkannter Künstler wie Tony Cragg, Documenta-Teilnehmer, eingeladen zu den Bienenalen von Venedig und São Paulo, geehrt mit dem Turner Prize der Tate Gallery in London, bereit war, in Unterbruch seine begehrten Werke auszustellen und seine „Bringschuld” auch nach zwei Jahren nicht vergessen hat, erklärt Willy Lennarrtz so: „Das ist einzig und allein mit den guten Beziehungen unseres Mitglieds Reinhöld Röser zur Kunstakademie zu erklären.”

Röser war lange Jahre Leiter Haushalt und Finanzen an der Akademie. Lennartz pflegt inzwischen selber intensive Kontakte zu den Kunstschaffenden an der Düsseldorfer Akademie.

Einen weiteren Künstler von Weltruf haben Röser und Lennartz für das nächste Jahr zu einer Ausstellung im Kunstverein Heinsberg bewegen können, den Objektkünstler und Maler Günther Uecker, der mit seinen Nagelbildern weltberühmt wurde. Lennartz: „Auch Günther Uecker hat uns eine Edition zugesagt.”

Wer ganz sicher gehen möchte, noch einen „Uecker” zu bekommen, dem sei ein Abonnement der Editonenen des Kunstvereins empfohlen. Sollte tatsächlich mal bei einer der fünf Edition pro Jahr was dabei sein, das dem Abonnenten nicht gefällt, darf er sogar einmal aussetzen.

Ein paar Aboplätze sind noch frei. Ausführliche Informationen erteilt der Kunstverein unter 02452/65598.

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