Berlin: Merz macht AKV-Ärger geschickt wieder gut

Berlin : Merz macht AKV-Ärger geschickt wieder gut

Im Motorsport nennt man es „Kurve kriegen”, im Juristendeutsch „Einigung erzielen”, in der Narretei „elf gerade sein lassen”.

So geschah es am Freitag im Berliner Büro von Friedrich Merz, dem AKV-Ordensritter „Wider den tierischen Ernst”. Einig wurde sich der CDU-Politiker im 45 Minuten währenden Gespräch mit der Bielefelder Sekretärin Monika Rieboldt und deren Rechtsanwalt Henning Hamann. Das Trio brütete über der vor 5,3 Millionen Fernsehzuschauern gehaltenen Aachener Ritterrede des 50-jährigen Finanzexperten.

Denn die stammt zu einem beachtlichen Teil Wort für Wort aus der Feder der westfälischen Hobby-Satirikerin.

Das Ergebnis der Besprechung war ebenso gütlich wie geschickt - und entsprach der am Mittwoch telefonisch vorgenommenen Rechtsberatung zwischen Merz und Anwalt Homann: Danach zahlt der AKV-Ritter „eine ordentliche Summe an Unicef”, so Hamann. Über die Höhe habe man freilich Stillschweigen vereinbart.

Ferner bot Merz zur Wiedergutmachung an, Monika Rieboldt in die Vorbereitung seiner Laudatio bei der Festsitzung 2007 in Aachen mit einzubinden. „Dazu habe ich nicht nein gesagt”, so die 59-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Es sei ihr „ohnehin nie darum gegangen”, Geld aus der Affäre zu ziehen. Dennoch ein Erfolg: Bislang textete Rieboldt für das kleine Satireblatt ZYN, bald darf sie für Millionen TV-Zuschauer aktiv werden.

Das Gespräch mit Friedrich Merz behält die Sekretärin als „sehr freundlich und respektvoll” in Erinnerung. Sie sagt: „Er wirkte nicht so arrogant wie im Fernsehen.” Beiden Besuchern trug Merz seine bekannte Position vor. Er habe den Text als Anhang einer Mail im Wahlkampf 2005 erhalten und nichts von Rieboldts Autorenschaft und Veröffentlichung gewusst.

Hamann: „Herr Merz hat sich dafür entschuldigt, dass alles so unglücklich abgelaufen ist.” Der Politiker lud sowohl Monika Rieboldt wie auch ihren Rechtsanwalt nach Berlin ein, inklusive Fahrt und Hotel. Ob er auch die Anwaltskosten zahlt - darüber mag der 29-jährige Hamann keine Auskunft geben.

Unicef-Sprecher Dieter Pool freute sich am Freitag darüber, dass es „zu keiner Schlammschlacht” gekommen sei: „Das ist ein sehr erfreulicher Vergleich, bei dem Kinder in Not die Gewinner sind.” Merz selbst war am Freitag für uns nicht erreichbar.