Zum Tod von Niki Lauda

Kommentar zum Tod von Niki Lauda : Ein Mann ohne Attitüde

Es war ruhig geworden in den letzten Wochen und Monaten, man hörte und las nur noch wenig. Das war kein Hoffnung machendes Zeichen, schließlich die Gewissheit: Andreas Nikolaus Lauda, als Niki zu weltweiter Berühmtheit gelangt, hat ein letztes Mal gekämpft.

Auch Menschen, die es mit Sport im Allgemeinen und mit Motorsport schon gar nicht haben, war dieser Mann ein Begriff. Mitte der 1970er Jahre  eine archaisch anmutende Zeit, in der Rennen noch auf der Strecke und nicht von Strategie-Hirnen in Computer-überladenen Kommandozentralen entschieden wurden – lieferten sich der ehrgeizige Österreicher und sein Gegenentwurf, der britische Lebemann James Hunt, eines der legendären Duelle der Formel-1-Geschichte.

Niki Lauda war ein Held der Kindheit, Weltmeister mit Ferrari und auf dem besten Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung. Der 1. August 1976 gehört zu den Tagen, die sportgeschichtlich nie in Vergessenheit geraten, zu den Tagen, von denen man heute noch weiß, wo die Nachricht vom Feuerunfall eintraf.

Nicht wenige hielten das für völlig verrückt, als Lauda wenige Wochen später wieder im Auto saß statt einfach nur dankbar zu sein, überlebt zu haben. Es war seine Art, das Geschehene zu verarbeiten, und selbst aus den sichtbaren Folgen machte Lauda noch etwas Positives: die Vermarktung seiner Kappe. Er baute eine Fluglinie auf; den Absturz einer Maschine mit 223 Toten empfand er als größten Tiefschlag seines Lebens, viel größer als das persönliche Schicksal auf dem Nürburgring.

Der Wiener bleibt als ein absolut authentischer Mensch in Erinnerung. Wo andere zwar viel reden um sich wichtiger zu machen als sie sind, aber nichts zu sagen haben, brachte Niki Lauda die Sache stets in klaren Worten auf den Punkt. Ohne Arroganz. Ohne Besserwisserei. Ohne diese Attitüde „Seht her, was ich alles geleistet habe“.

Glaubwürdig, sympathisch, mit dem berühmten Schmäh. Einer, der auf dem Teppich geblieben war. Den Legenden-Status heftet ihm die Nachwelt an. Niki Lauda hat nie danach getrachtet.

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