Kommentar zum Klimaprotest von Schülern: Zugehört, viel kapiert – bravo!

Kommentar zum Klimaprotest von Schülern : Zugehört, viel kapiert – bravo!

Wir fordern Gerechtigkeit, um zu überleben. Wir sind nicht verantwortlich für die Katastrophe, die uns allen droht.“ Nein, das Zitat stammt nicht von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg.

Gebru Jember Endalew, Sprecher der ärmsten Staaten bei der jüngsten UN-Klimakonferenz in Kattowitz, hat den reichen Ländern diesen Satz ins Stammbuch geschrieben – also uns, den wirklichen Verursachern des drohenden Öko-Kollapses. „Katastrophe? Welche Katastrophe?“ Fragt indes so mancher. Immer noch. Und geht zur Tagesordnung über nach dem Motto: Wir sind ja gut versichert ...

Wirklich? In Kattowitz hat Endalew auch gesagt: „Wir bezahlen das mit Menschenleben.“ Er bezog sich damit auch auf den fatalen Umstand, dass reale Sanktionen bei Verstößen gegen die Vereinbarungen mal wieder nicht beschlossen wurden. Und damit sind wir bei Greta Thunberg und den vielen Heranwachsenden, die in diesen Tagen streiken mit der Devise „Fridays for Future“. Das Mädchen hat ebenfalls vor den Vereinten Nationen gesprochen. Sie hat sich nicht einschüchtern lassen. „Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr handelt, wenn das Haus brennt“, sagte sie, „und das tut es.“

Nun dies: Die Bezirksregierungen erhöhen den Druck auf die Schulleiter, um den Druck auf protestierende Schüler zu erhöhen. Auf einmal brennt die Hütte tatsächlich – unterm Paragrafendach. Diesmal scheinen Konsequenzen unausweichlich – für die Jugendlichen, die weiter streiken. Flankiert werden die Anweisungen an die Direktoren von unsäglichen, hochnotpeinlichen Kommentaren gewisser Politiker wie Christian Lindner. Der FDP-Chef meinte ja, der Nachwuchs möge das Denken den „Profis“ überlassen. Was dabei herauskommt – oder auch nicht – haben wir erlebt. Siehe oben.

Der Konflikt spitzt sich also zu. Eine Lösung liegt keinesfalls auf der Hand. Das liegt in der Natur der Sache. Klar: Die Schüler müssen notfalls auch ganz direkt mit den Folgen ihrer Aktionen leben. Es kann nicht angehen, dass ein Persilschein für alle möglichen Gelegenheiten ausgestellt wird, dem Unterricht fernzubleiben. Die Causa entbehrt also nicht einer gewissen Ironie. Denn kaum einer spricht den Jugendlichen ab, dass es ihnen wirklich um ihre – individuelle – Zukunft geht, wenn sie „blaumachen“, damit sie tatsächlich gehört werden. Nicht nur mancher Alt-68er-Pädagoge schwelgt da prompt in Erinnerungen. Wir sollten der „Jugend von heute“ für deren Zivilcourage Respekt zollen.

Was folgt daraus? Erstens: Unsere Kinder müssen den Konflikt mit den Schulen, den sie bewusst ausgelöst haben, aushalten. Viele sind dazu entschlossen. Das zeigt, dass sie gut zugehört und kapiert haben, als „die Alten“ ihnen Verantwortung und Solidarität als Werte vermittelt haben. Jetzt lernen die Alten zur Abwechslung von den Jungen. Heißt zweitens: Lehrer und „höhere Ebenen“ müssen Wege finden, den Jugendlichen entgegenzukommen. Auch wenn’s schwierig ist. Von wegen Zivilcourage: Sie werden sie finden – wenn die Protestierenden sich nicht einschüchtern lassen. Und Politiker wie Herr Lindner nicht polemisch, sondern eben politisch reagieren, indem sie auch mal schmerzhafte Beschlüsse fassen, statt sich arrogant abzuwenden.