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Kommentar zum Ernährungsbericht: Weniger ist mehr

Kommentar zum Ernährungsbericht : Weniger ist mehr

Die Deutschen essen weniger Fleisch: Doch Klöckner schwört immer noch auf das freiwillige Tierwohlkennzeichen als Positiv-Wirkung. Tierwohl darf aber keine Freiwilligkeit mehr sein. Es muss vorgeschrieben und der Verstoß dagegen härter bestraft werden.

Die Richtung ist vielversprechend. Die Deutschen essen nach dem Ernährungsbericht von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner weniger Fleisch. Nur noch ein Viertel der Bürger tischt täglich Wurst und Schnitzel auf. Vor fünf Jahren machte das noch ein Drittel der Bevölkerung. Es ist zu hoffen, dass dieser Trend weitergeht, weiter nach unten, und der Preis nach oben.

Weniger Fleisch für mehr Geld – ein gewagter Wunsch, weil er zunächst jene Menschen zu übersehen scheint, die sich teures Biofleisch schlicht nicht leisten können. Es geht aber für alle darum, den Fleischkonsum zu reduzieren und die dadurch eingesparten Kosten in ein Steak investieren zu können, das aus einer Tierhaltung stammt, für die wir uns nicht schämen müssen.

Wir wissen, was Massentierhaltung bedeutet: Mehr Gülle, mehr Treibhausgase, weniger Klimaschutz, weniger Arbeitsschutz für die Fleischverarbeiter, mehr Stress für die Bauern, größere Qualen für die Tiere. Kükenschreddern, betäubungslose Kastration, lange Schlachttransporte. Was tun wir den Tieren nur an, um billig und oft Fleisch essen zu können.

Nebenbei bemerkt: Klöckner bräuchte für ihre Idee der Förderung von Stallvergrößerungen keine langen Prüfungen. Dass sich Sauen oft nicht einmal umdrehen können und Hühner keinen Platz zum Picken haben, ist bekannt. Man wünschte sich, die CDU-Politikerin würde einfach einmal Vorgaben machen und Fristen setzen und Verstöße ahnden. Der Verzicht auf eine tägliche Fleischspeise hat mit Wertschätzung zu tun, mit Respekt vor dem Schwein, der Kuh, dem Lamm, einzig geboren und gehalten, um uns zu ernähren.

Wie alles im Leben wird mehr geschätzt, was rar ist. Jeder kennt den Spruch, dass es früher auch nur sonntags Braten gab. Aber nicht jeder weiß, dass das ein Genuss sein konnte, weil man sich so auf den Sonntag freute. Natürlich will Klöckner den Bürgern und Wählern nicht den Einkaufszettel schreiben, wie sie sagt. Aber sie sollte und könnte beschließen, dass die Hersteller auf die Etikette die Entstehung schreiben müssen.

Klöckner schwört auf das freiwillige Tierwohlkennzeichen als Positiv-Wirkung. Tierwohl darf aber keine Freiwilligkeit mehr sein. Es muss vorgeschrieben und der Verstoß dagegen härter bestraft werden. Und wir alle sollten bei Umfragen nicht mehr Ja zu artgerechter Haltung sagen und dann an der Ladentheke den Preis dafür nicht zahlen wollen, wie es der Ernährungsbericht beschreibt. Weniger ist mehr.