Wahl zum Europäischen Parlament am 26. Mai:

Kommentar zur EU-Wahl : Viel Spaß beim Wählen!

Es gibt viele gute Gründe zur Wahl zu gehen. Hier sind vier, die zugegebenermaßen nicht alle ganz ernst gemeint sind.

Keine Angst, dies wird kein moralinsaurer Wahlaufruf, auch wenn hie und da Demokratie-Pathos durchscheinen könnte. Verstehen Sie diesen Kommentar also nicht als drohenden erhobenen Zeigefinger nach dem Motto: „Gehen Sie wählen, sonst…!„ Deshalb werden sie an dieser Stelle auch nicht mit den Themen Schicksalswahl, Brexit, Rechtspopulisten oder EU-Skepsis behelligt. Dazu wurde in dieser Zeitung schon viel geschrieben, und wir gehen davon aus, dass Sie da eigentlich gut Bescheid wissen.

Verstehen Sie diesen Text vielmehr als eine freundliche Motivitationshilfe, die Ihnen vor Augen führen soll, wie viele ganz unterschiedliche – und nicht alle immer ganz ernst gemeinte – Gründe dafür sprechen, am Sonntag zur Wahl zu gehen.

Wetter:

Es klingt profan, ist aber sogar wissenschaftlich belegt: Schlechtes Wetter hat einen negativen Einfluss auf die Wahlbeteiligung. Eine Studie hat das in NRW untersucht. Demnach führen zehn Millimeter Regen zu einer Reduktion der Wahlbeteiligung um 1,2 Prozentpunkte bei Kommunal- und 0,5 Prozentpunkte bei Landtagswahlen. Hochrechnungen für die Europawahl gibt es zwar nicht, es ist aber natürlich logisch, das man bei Hundewetter nicht nur Hunde ungern vor die Türe schickt, sondern auch Wähler. Sollten Sie also Ihre Entscheidung zu Wählen mit einem Blick gen Himmel fällen, hier mal der Blick auf das Wahlsonntagswetter: Bis zu 19 Grad sind vorhergesagt, leicht bewölkt mit möglichen kurzen Regenschauern. Kurzum: Sie sollten durchaus ein regenfreies Fenster für den Urnengang erwischen können. Nur Mut!

Geselligkeit:

Sollten Sie Wahlmüdigkeit verspüren, gehen Sie doch mal los in Richtung Wahllokal. Man nennt das Desensibilisierung. Einfach mal Hallo sagen. Vielleicht läuft da ein Nachbar rum, mit dem Sie seit Wochen nicht mehr gesprochen haben. Oder Sie gehen zu den ehrenamtlichen Wahlhelfern und bedanken sich für deren Dienst an der Demokratie. Nehmen Sie dann den Wahlschein und schlendern gen Wahlkabine. Wer weiß: Vielleicht ist Ihre Wahlmüdigkeit durch den Kontakt mit Fans und Freunden der repräsentativen Demokratie komplett verflogen, und sie setzen beschwingt zum Kreuzchenmachen an? Und wenn nicht, können Sie immer noch den Wahlschein ungültig machen und das Wahllokal unerkannt verlassen. Sie riskieren also nichts.

Wettkampf:

Wahlabende sind grundsätzlich spannend: Nägel kauen vor der ersten Prognose, dann Jubel hier, Schulterzucken da, Untergangsstimmung dort. Was aber ist, wenn man mit keiner Partei fiebert oder mit einer, die ständig verliert. Das ist ja frustrierend. Für Lokalpatrioten gibt es bei diesem Wahlgang eine andere Möglichkeit, die Spannung zu erhöhen und zu den Gewinnern zu gehören: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat einen Wettbewerb initiiert, welche Stadt die höchste Wahlbeteiligung erreicht. Vielleicht kommt ja Ihre Kommune ganz groß raus, weil sie auf Platz eins landet? Sie könnten dann sagen: „Ich war dabei.“

Jede Stimme zählt:

41 Parteien und Gruppierung treten in Deutschland zur EU-Wahl an. Da dürfte für fast jeden etwas dabei sein, und anders als bei Bundestagswahlen gibt es 2019 bei der EU-Wahl hierzulande keine Sperrklausel. Das heißt, Sie können wahltaktische Überlegungen, die die Wahlfreude häufig etwas dämpfen, weil man das geringere Übel wählt, komplett über Bord schmeißen und nach Herzenslust Ihr Kreuzchen machen. Wenn dann Nischenpartei A oder B mit einem Stimmanteil von 0,6 Prozent einen Sitz im Europaparlament erringt, können Sie stolz sein und sagen: „Meine Stimme hat wirklich etwas ausgemacht.“

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Wählen!

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