1. Meinung

Kommentar zu Solidaritätsaktionen in der Region: Viele können helfen. Sie tun es.

Kommentar zu Solidaritätsaktionen in der Region : Viele können helfen. Sie tun es.

In diesen schweren Zeiten wird Solidarität zum geflügelten Wort. Politik und Kirchen werden nicht müde, die existenzielle Bedeutung des Füreinander-Eintretens zu betonen. Tatsächlich ist Solidarität derzeit die wichtigste Ressource, die wir als Gesellschaft im Kampf gegen das Coronavirus aufbieten können.

Der Staat kann zwar in nie dagewesenem Tempo und in seltenem parteiübergreifenden Einvernehmen Konjunkturhilfen beschließen und Notgesetze erlassen, doch er kann seinen Bürgern weder Empathie noch Hilfsbereitschaft verordnen.

Das Engagement

Das Virus fordert jeden Einzelnen von uns und bringt uns an unsere Grenzen. Zu der Bedrohung für die eigene Gesundheit und die der Familie kommt für zahllose Menschen die erdrückende Sorge um die wirtschaftliche Existenz. Auch das soziale Miteinander wird einem harten Test unterzogen. Covid-19 verlangt von uns zwar die größtmögliche persönliche Distanz, antworten müssen wir darauf aber mit größtmöglicher Solidarität und emotionaler Nähe.

Natürlich gibt es diejenigen, die glauben, mit Egoismus auf die Krise reagieren zu müssen – im Großen wie im Kleinen. Nehmen wir die Europäische Union. Sie gibt ein erschreckend desolates Bild ab, kann sie sich doch nicht einmal im Angesicht der Pandemie auf ein gemeinsames Vorgehen und die Unterstützung schwächerer Staaten einigen.

Sprachlos macht das Verhalten einiger Großunternehmen, die meinen, den kurzfristig ausgeweiteten Mieterschutz auch für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Oder denken wir an den Alltag in Supermärkten, wo mit großer Rücksichtlosigkeit Bedarfsgüter in Einkaufswagen verladen werden, obwohl wir im Gegensatz zu Millionen Menschen in anderen Teilen der Welt trotz Coronavirus Nahrungsmittel satt haben.

Dass es auch anders geht, beweisen viele Menschen auch in unserer Region. Es ist überwältigend zu sehen, wie sich Bürger der neuen Herausforderung stellen, zusammenrücken und kreativ werden. Überall bilden sich lokale Initiativen, die jene unterstützen, für die das Virus eine besonders große Gefahr darstellt. Nachbarn gehen für ältere Menschen einkaufen. Für Obdachlose werden Lebensmittel an „Gabenzäune“ gehängt. Wer kann, kauft einen Gutschein bei seinem Lieblingsitaliener, den er einlöst, sobald dieser wieder öffnen darf. Das gibt Hoffnung.

Auch das Medienhaus Aachen ist Teil dieser Region und unterstützt das zivilgesellschaftliche Engagement auf vielfältige Weise. Am 29 März stellen wir eine Plattform online, die regionale Angebote von Privatleuten, Firmen und Organisationen kostenlos bündelt. Sie können diese Plattform mit Leben füllen. Heimische Händler können ihren Kunden mit einem kleinen Eintrag zeigen, dass sie ihre Waren auch nach Hause liefern.

Das „Branchenbuch“

Sie bieten Kinderbetreuung an? Können den Einkauf übernehmen oder vielleicht auch nur mit einem Telefongespräch einem Menschen, der nicht vor die Tür darf, die Einsamkeit nehmen? Dann machen Sie mit! Je mehr Bürger sich beteiligen, desto größer wird dieses „Branchenbuch“, das wir auch in unseren Tageszeitungen veröffentlichen werden. In der Corona-Krise müssen wir uns neu organisieren, neue Wege gehen. Wie hat es Norbert Blüm einmal so schön formuliert: „Solidarität ist kein Luxus, sondern Existenzberechtigung des menschlichen Lebens!“ Beweisen wir es.

 www.aachen-handelt.de

www.düren-handelt.de

www.heinsberg-handelt.de