1. Meinung

Kommentar zu fehlenden Kita-Plätzen: Traurig und beschämend

Kommentar zu fehlenden Kita-Plätzen : Traurig und beschämend

Knapp 384.000 Kita-Plätze werden laut aktuellen Zahlen der Bertelsmann-Stiftung im kommenden Jahr bundesweit fehlen. Und das ist längst nicht alles, was auf die Familien in Deutschland zukommt.

Unter anderem in Nordrhein-Westfalen sind eine kindgerechte Personalausstattung und zugleich ausreichend Plätze in allen Kitas in diesem Jahrzehnt nicht mehr zu realisieren. Das schreiben die Autoren der Studie „Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule“. In diesem Jahrzehnt, also bis 2030! Das ist traurig und beschämend. Überraschend ist es allerdings nicht.

Dass der Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern besonders ausgeprägt ist, dürfte inzwischen auch denen bekannt sein, die sich nicht ausdrücklich für die Lage der frühkindlichen Bildung in Deutschland interessieren. Auch in unserer Region mussten bereits einzelne Kita-Gruppen oder sogar ganze Einrichtungen zeitweise wegen Personalmangels schließen. Die Corona-Pandemie verschärft das Problem bekanntermaßen noch.

Weniger bekannt ist hingegen, dass hinter diesem Fachkräftemangel ein weiterer steckt: An den Berufsschulen fehlen wiederum die für die Ausbildung notwendigen Kräfte. Überhaupt beißt sich hier die Katze in den Schwanz: Wer keine Betreuung für seine Kinder findet, kann nicht arbeiten und fehlt anderswo als Arbeitskraft. Dass das hauptsächlich Frauen trifft, ist ein Gemeinplatz. Ein starkes, funktionierendes Kita-System ist für Deutschland ökonomisch unverzichtbar. Zumal Arbeitsmarktexperten statt von einem Fachkräfte- längst von einem generellen Arbeitskräftemangel sprechen. Das ist die Seite der Erwachsenen.

Die der Kinder ist genauso relevant. Denn Kitas sind weit mehr als reine Verwahrungsstätten für die Kleinen, damit die Großen arbeiten oder sich um andere Belange kümmern können. Es sind Orte, an denen die Jüngsten unserer Gesellschaft fürs Leben lernen. Das geschieht nirgendwo besser als beim Spielen, Streiten und Lachen mit Gleichaltrigen.

Die vielen Erzieherinnen und wenigen Erzieher leisten unter schwierigen Umständen Phänomenales. Sie begleiten und beobachten die Kinder, ermutigen und bestärken sie, schlagen Alarm, wenn sie Förderbedarf sehen – sprachlich oder motorisch. Damit können und sollen sie nicht den Erziehungsauftrag übernehmen, der bei den Eltern liegt, sondern diesen mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten ergänzen. Erzieherinnen und Erzieher sind für unsere Kinder Gold wert. In ihrer Bezahlung schlägt sich das nach wie vor leider nicht nieder.