Kommentar zum Pompeo-Besuch: Sturmschäden am Haus

Kommentar zum Pompeo-Besuch : Sturmschäden am Haus

Es ist gut, dass US-Außenminister Mike Pompeo kurz vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls nach Deutschland gekommen ist. Große Ereignisse feiert man mit Partnern. Und man nutzt die Gelegenheit, vertraulich über Krisen zu sprechen.

Deutschland hat den USA viel zu verdanken. Den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, das Erlernen, Festigen und Verteidigen der Demokratie, die Unterstützung für die Wiedervereinigung und das Vertrauen in die Deutsche Einheit. Das ist das Fundament der deutsch-amerikanischen Partnerschaft. Das wird bleiben. Nur, das Haus darauf weist gewaltige Sturmschäden auf. Und die sind vermutlich erst zu reparieren, wenn Präsident Donald Trump nicht mehr im Amt ist. Bis dahin wird es aber noch kräftig hineinregnen.

Werte erschüttert

Pompeo war in den Achtzigern als Soldat in der Nähe von Bayreuth stationiert und versteht von der Bundesrepublik vermutlich mehr als Trump, der beim G7-Gipfel im August seine angebliche Nähe zu Deutschland mit dem Satz bekundete: „I have German in my blood“. Die neben ihm sitzende Angela Merkel musste sichtlich an sich halten, um nicht los zu prusten. Dieses Deutsche in Trumps Blut war nichts, was die Kanzlerin in Politik übersetzen konnte.

Als der Präsident sagte, er komme bald zu Besuch, riss die Merkel mit einer Mischung aus Erschrecken und Ungläubigkeit die Augen auf. Pompeo schaut sich in Deutschland an, wo einst die Mauer stand, während Trump zuhause eine neue errichten lässt, um Migranten aus Mexiko abzuwehren. Und Merkel verteidigt Werte der USA, die Trump erschüttert: Multilateralismus, Empathie mit Schwächeren, Anti-Populismus. Aber je mehr Trump mit Strafzöllen und Protektionismus den Welthandel in Turbulenzen stürzt, mit seiner sprunghaften Sicherheitspolitik und Häme Vertrauen zerstört, desto mehr muss Deutschland auf Distanz gehen und mit Europa eigene Wege gehen.

Pompeo sagt, Deutschland und Amerika müssten zusammenhalten gegen wachsende Bedrohungen aus Russland, China und dem Iran. Die USA haben begründete Sorgen vor zunehmendem Einfluss Chinas. Natürlich sind Zweifel berechtigt, ob der chinesische Ausrüster Huawei bei einer Beteiligung am Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes in Deutschland nicht Daten an die Regierung in Peking weitergeben würde. Ein Dauerthema ist auch das Engagement in der Nato. Alle diese Punkte sind richtig und wichtig.

Pompeo sagt, er wolle die transatlantische Partnerschaft stärken. Schön wäre es.