Schnelle Lösungen sind jetzt gefragt

Kommentar zum Diesel-Beschluss : Mehr Realismus, bitte!

Während in Essen und Gelsenkirchen am Donnerstag ein gerichtliches Dieselfahrverbot verhängt wurde, das sogar ein Stück der Autobahn 40 betrifft, beschloss das Bundeskabinett fast zeitgleich, dass es in Städten mit Höchstwerten von bis zu 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft keine Fahrverbote geben soll.

Ach ja, und der EU-Umweltrat einigte sich jüngst darauf, dass bis zum Jahr 2030 der CO2-Ausstoß von Personenwagen um 35 Prozent gesenkt werden soll.

Allein diese Beispiele zeigen: Die Diskussion um den Dieselmotor und die anhängende Emissionsthematik ist völlig aus dem Ruder gelaufen. So schnell wie neue Grenzwerte vom Himmel fallen und neue Emissionsminderungsziele beschlossen werden, kann die Autoindustrie gar nicht reagieren – der stärkste Wirtschaftsfaktor der Bundesrepublik.

Kurz zur Erinnerung: Der als Dreckschleuder totgeredete Dieselmotor stößt weit weniger CO2 aus als ein Benziner. Selbst Elektroautos fahren nicht emissionsfrei, schließlich muss der Strom noch irgendwo erzeugt werden. Und je mehr Straßen für bestimmte Fahrzeuge gesperrt werden, desto mehr Umwege werden gefahren, und das Problem verlagert sich nur an eine andere Stelle. Es kann sich nunmal nicht jeder sofort ein neues Auto leisten, wie es das Kraftfahrtbundesamt den Besitzern älterer Dieselfahrzeuge rät.

Dabei wäre es eigentlich an den Autoherstellern einzugestehen, dass sie ihre Kunden, die in gutem Glauben „saubere“ Dieselwagen gekauft haben, betrogen haben. Stattdessen wird mit Umtauschaktionen weiter Geld gemacht. Und so müssen am Ende die schuldlosen Dieselbesitzer den gesamten Skandal ausbaden.

Es wird Zeit, dass wieder Ruhe und Vernunft einkehren und sich die Regierung fragt, mit welchen Maßnahmen die angestrebten Ziele – den Klimawandel zu stoppen und für bestmögliche Luft in Innenstädten zu sorgen – tatsächlich erreicht werden können. Was spräche zum Beispiel gegen 30er-Zonen in Innenstädten? Die Emissionen würden sinken, genauso wie Gefahrenpotentiale. Und die drei Minuten, die man am Ende länger braucht, um von A nach B zu kommen, sollten besser zu verschmerzen sein als Fahrverbote.

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