Kommentar zu Union und Grünen: Nicht auf gleicher Augenhöhe

Kommentar zu Union und Grünen : Nicht auf gleicher Augenhöhe

Wenn es zu Wahlen kommt, so zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, schneiden die Grünen regelmäßig schlechter ab, als es die Umfragen zuvor signalisiert haben. Die Union muss also aufpassen.

Fokussiert sie sich zu sehr auf die Grünen als Hauptkonkurrenten und vernachlässigt dabei ihre Abgrenzung von der AfD, dürften ihr nicht nur Wähler aus dem moderaten Merkel-Lager verloren gehen. Fehlende Kritik der Union an der AfD kann dazu führen, dass diese auch im Westen noch stärker wird.

Die Grünen-Parteichefs Baerbock und Habeck haben für Geschlossenheit und Aufbruch gesorgt. Sie nutzten konsequent das Momentum der SPD-Schwäche, um sich selbst als neue linke Volkspartei zu empfehlen. Zudem hat die Partei ihren Markenkern erhalten. In Sachen Klimaschutz, Agrar- und Verkehrswende haben die Grünen ihren Kompetenz-Vorsprung vor allen anderen Parteien bewahrt.

Viel spricht dafür, dass der Grünen-Hype allmählich abebbt. Die Thüringen-Wahl hat ein Stadt-Land-Problem der Partei offenbart: In den Städten überzeugt sie viele Bohemiens, während auf dem Land viele Menschen Nachteile für sich fürchten, wenn die Forderungen der Grünen etwa nach höheren CO2-Preisen umgesetzt werden. Die Stadt-Land-Problematik erschwert den Klimaschutz in den Ländern. Habeck selbst hatte als grüner Umweltminister von Schleswig-Holstein dem Wunsch der FDP nachgeben müssen, auch weitere Abstände zwischen neuen Windrädern und der Wohnbebauung zuzulassen.

Derlei Pragmatismus kann dazu führen, dass die Grünen Anhänger im linken Lager verlieren. Auch die Grünen müssen also aufpassen, dass sie mit ihrem klaren Bekenntnis zur Marktwirtschaft nicht neue Unruhe in die eigene Partei tragen.

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