Kommentar zur Tat auf Frankfurter Bahnhof: Nationalität spielt keine Rolle

Kommentar zur Tat auf Frankfurter Bahnhof : Nationalität spielt keine Rolle

Ein 40-jähriger Familienvater stößt einen Achtjährigen vor einen fahrenden ICE. Der Junge stirbt. Wie kann ein Mensch so etwas tun? Die Tat macht fassungslos. Traurig. Wütend. Und bedauerlicherweise macht sie noch mehr: Sie sorgt dafür, dass die Stimmung gegen Ausländer in diesem Land weiter aufgeheizt wird. Als wäre das Klima nicht schon deutlich vergiftet.

Allein die Tatsache, dass der Täter aus Afrika stammt, sorgt dafür, dass reflexartig sämtliche Vorurteile gegen Menschen mit Migrationshintergrund bedient werden. Auch zeigt sich, wie gerne solche Taten für politische Zwecke missbraucht werden. Wenn jetzt aber schon Rufe laut werden, die Kanzlerin sei wegen ihrer flüchtlingsfreundlichen Haltung indirekt verantwortlich und müsse zur Rechenschaft gezogen werden, dann ist das geradezu widerlich. Zur Rechenschaft gezogen werden muss nur einer: der Täter.

Definierte Regeln

Für den weiteren Umgang mit ihm gibt es definierte Regeln. Ein Experte wird ein psychiatrisches Gutachten über den Tatverdächtigen erstellen; es wird Aufschluss geben über dessen Schuldfähigkeit. Letztlich wird eine Richterin oder ein Richter entscheiden. Das alles ist in unserem Staat klar festgelegt, verankert in unserer demokratisch-freiheitlichen Grundordnung. Manch einer, der zu wissen meint, wie man mit solchen Tätern umzugehen hat, würde diese Grundordnung nur allzu gerne aus den Angeln heben.

Wir sollten uns nichts vormachen, aber 70 Jahre nach Abschaffung der Todesstrafe in der BRD, gewinnt auch diese Diskussion an Nahrung. Die Meinung, der Mann aus Eritrea gehöre hingerichtet, weil er es nicht verdient habe auf unsere Kosten ein schönes Leben vor dem Fernseher im Gefängnis zu verbringen, ist womöglich weiter verbreitet, als wir glauben möchten.

Täter zur Rechenschaft ziehen

Ein 40-jähriger Familienvater stößt einen Achtjährigen vor einen fahrenden ICE. Der Junge stirbt. Wie kann ein Mensch so etwas tun? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass die Frage der Nationalität keine Rolle spielt. Sie ist für die Tat irrelevant. Relevant ist allein die Tatsache, dass ein Vater ein Kind getötet hat. Er könnte aus den USA, aus der Slowakei, aus Indien, Deutschland oder jedem Land dieser Welt stammen.

Er ist ein Mensch. Seine Tat ist unmenschlich. Er muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Mit der ganzen Härte, die das Gesetzbuch vorsieht. Das darf die Gesellschaft erwarten. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

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