Merz drängt ins Bundeskabinett

Kommentar zur Kampfansage von Friedrich Merz : Ein Mann will Kanzler werden

Die Niederlage gegen Annegret Kramp-Karrenbauer beim CDU-Bundesparteitag steckt Friedrich Merz nicht so einfach weg. Jetzt verlangt er ein Ministeramt in Merkels Kabinett. Sein eigentliches Ziel ist aber viel höher gesteckt.

Friedrich Merz gibt nicht auf. Er will Bundeskanzler werden. Und er weiß, dass ihn dabei zahlreiche Christdemokraten unterstützen. Weil es mit dem CDU-Vorsitz gegen Kramp-Karrenbauer nicht geklappt hat, drängt er jetzt ins Bundeskabinett. Als Minister eines einflussreichen Ressorts (was sonst?) hätte er eine andere, aber durchaus gute Chance, seinen Anspruch auf das mächtigste Amt der Republik durchzusetzen.

Am Dienstag kam seine unmissverständliche Kampfansage: Er traue sich ein Ministeramt zu. Nach all dem, was sich in den letzten Wochen in der CDU abgespielt hat, heißt das klipp und klar: Seine Partei soll ihn jetzt in die Bundesregierung holen. Was sonst sollte das Ziel dieser Bemerkung zu diesem Zeitpunkt sein? Er spielt Merkel den Ball zu: „Dies liegt aber nicht in meiner Hand, sondern das ist Sache der Kanzlerin.“ Merz macht Druck – und was für einen!

Nach seiner knappen Niederlage auf dem Hamburger Parteitag waren viele seiner Anhänger kaum zu besänftigen. Geben Merkel und AKK seiner Forderung nicht nach, wird Merz sich vornehm zurückhalten, ein wenig sticheln, aber seine Anhänger werden für ihr Idol kämpfen und keine Ruhe geben. Geschickt hat Merz die erste Präsidiumssitzung unter der neuen Vorsitzenden abgewartet. Denn dort war am Dienstag erwartungsgemäß und allenthalben zu hören, man müsse ihn einbinden, er müsse sichtbar bleiben, er sei so wichtig für die CDU. Seine Antwort: Ich bin bereit. Selbstbewusst spricht Merz  über seine „Erfahrung in Wirtschaft und Politik“ und über „inhaltliche, aber auch kommunikative Erwartungen“, die „mit meiner Person verbunden“ seien.

Jede seiner Bewerbungsreden auf den CDU-Regionalkonferenzen im November und beim Parteitag Anfang Dezember war gespickt mit Attacken auf die Kanzlerin. Er nannte sie nicht beim Namen; das brauchte er nicht, weil ihn jeder so verstand. Nun drängt er in ihr Kabinett. Das ist eine Zumutung für Merkel; das weiß Merz und genau das will er.

Die CDU ist gespalten. Die entscheidende Frage ist jetzt, wie die Parteiführung unter AKK und die Bundeskanzlerin reagieren. Nehmen sie die Fehdehandschuh auf und verweigern sich dem Anspruch von Merz, wird es zu innerparteilichen Konflikten kommen – und das in einem Jahr mit drei Landtagswahlen. Geben sie nach, sorgen sie nur für scheinbare Ruhe. Denn der eigentliche Wettstreit steht ja erst bevor: Wer wird Merkels Nachfolger im Kanzleramt?