Merkels Pannenflug nach Buenos Aires zum G20-Gipfel

Glosse zu Merkels Pannenflug : Wer profitiert von der Panne?

Trump, Merkel, Iberia, die FDP? Es gibt viele Verdächtige in der Causa Pannenflug von Angela Merkel.

Cui bono?, wird gerne gefragt, wenn es um die Beurteilung von politischen Vorgängen geht. Das kommt aus dem Lateinischen und ist die Frage danach, wer Vorteil aus einem Vorfall zieht. Damit einher geht die Frage, ob nicht der, der den Vorteil hat, auch sehr wahrscheinlich die ganze Chose angerichtet hat.

Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Anschlag vom 11. September 2001, der nach Meinung nicht weniger Menschen von den USA selbst verübt wurde, weil erst der Anschlag George W. Bush in die Lage versetzte, zunächst gegen Afghanistan und dann gegen den Irak Krieg zu führen.

Nun könnte man mit einem weiteren lateinischen Terminus dem ganzen Wer-hat-was-davon-Spielchen ein schnelles Ende bereiten: Cum hoc ergo propter hoc heißt so viel wie „folglich deswegen“ und bezeichnet den Fehlschluss der Scheinkausalität. In diesem Fall wird den Cui-Bono-Jüngern gesagt, dass nur, weil jemand von einem Vorfall profitiert, er nicht automatisch der Verursacher desselbigen sein muss.

„Mag sein“, denkt der Glossenschreiber, „dann wäre diese Glosse aber relativ schnell vorbei.“ Also, Logik negieren und mit Elan in das Wer-profitiert-Spielchen:

Erster Verdächtiger: natürlich Donald Trump. Einfach, weil man geneigt ist, den US-Präsidenten für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen. Vielleicht hatte er einfach Lust auf einen G20-Gipfel ohne das dauernde Merkelgenörgel über internationale Zusammenarbeit und Solidarität.

Zweite Verdächtige ist Merkel höchstselbst, die nach Jahrzehnten der pflichttreuen Diensterfüllung durch das absehbare Ende ihrer politischen Karriere ein Vorgefühl auf das Sichtreibenlassen als Rentnerin entwickelt hat. Statt Vollversorgung im Regierungsflieger, abenteuerliche Reise durch Europa, mit erlebnisverheißendem Zwischenstopp in Spanien.

Man stellt sich förmlich vor, wie sie in Madrid am Sicherheits-Check steht, Mantel und Gürtel ablegt und plötzlich feststellt, dass sie kein Plastiktütchen fürs Duschgel hat. Schnell wird ihr Vertrauter Seibert losgeschickt, und bei Merkel entwickelt sich ein Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und Abenteuerlust. Ein wenig Interrail-Gefühl auf dem Weg zum letzten G20-Gipfel. Der Weg ist das Ziel.

Oder es war Iberia. Diese fast vergessene spanische Fluglinie, die ihre besten Jahre definitiv hinter sich hat und nun einen perfiden Sabotage-Plan entwickelte, um sich damit zu brüsten, Merkel liniengeflogen zu haben. Das streichelt die spanische Volksseele, weil das spanische Flugzeug eben funktioniert hat. „Ätsch, Alemania“.

Klar, ein Motiv hätte sicherlich auch Boeing, der Konkurrenten von Airbus, das ist für eine Glosse aber zu profan. Ebenso muss der Verdacht zurückgewiesen werden, die FDP stecke hinter all dem, weil sie das auf „Theodor Heuss“ getaufte Ersatzflugzeug in den Vordergrund bringen wollte und deshalb die „Konrad Adenauer“ sabotierte.

Nicht ganz so unverdächtig ist Joachim Sauer, der kamera- und öffentlichkeitsscheue Ehemann der Kanzlerin, der sich durch die Sabotage ein freies Wochenende ergaunert hat. Den größten Verdacht aber ziehen die Glossenschreiber des Landes auf sich. Ermöglicht ihnen der Vorfall doch, ziemlich viele Zeilen mit ziemlich großem Unsinn zu füllen.

Quod erat demonstrandum!

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