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Kommentar zum Klimaschutzgesetz: Kreative Lösungen sind gefragt

Kommentar zum Klimaschutzgesetz : Kreative Lösungen sind gefragt

Nach langen, kräftezehrenden Debatten hat das Kabinett das Klimaschutzgesetz gebilligt. Während die Bundesregierung es selbst als wegweisend und tiefgreifend bejubelt, üben Umweltverbände und die Grünen harte Kritik.

Es gehe nicht weit genug, sei nachträglich sogar abgeschwächt worden und überhaupt eher ein „Päckchen“ als ein Paket. Doch bei all den Diskussionen wird ein entscheidendes Detail meist übergangen: Wie viele Bürger sind denn wirklich bereit, ihr Leben für den Klimaschutz zu ändern?

In Wahrheit nämlich kaum jemand. Die Fluggastzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an. Neueste Analysen zeigen: Von August 2018 bis Juli 2019 starteten von Deutschland aus rund 125,1 Millionen Flugpassagiere, also knapp fünf Prozent mehr als im gleichen Zeitraum ein Jahr davor. Und das in einer Zeit, in der so nachdrücklich wie nie zuvor das Fliegen als die klimaschädlichste Art der Fortbewegung angeprangert wird. Immer mehr Menschen fahren spritfressende, überdimensionierte Autos. Es wird so viel Fleisch gegessen wie eh und je. Der Verpackungsmüll nimmt eher zu als ab. Und auch wenn tendenziell mehr Menschen Stoffbeutel und wiederbefüllbare Flaschen dabei haben als noch vor ein paar Jahren, sind die Auswirkungen solcher Bemühungen kaum spürbar.

Denn klar ist: Von allein wird sich nichts ändern. Solange die klimaschädlicheren Produkte und Fortbewegungsmittel die günstigsten sind und der Mensch nicht gezwungen wird umzudenken, wird der Anstieg der CO2-Emissionen nicht aufzuhalten sein. Und genau das wird das Klimaschutzgesetz in seiner aktuellen Form nicht schaffen. Es tut nicht weh genug. Die Milliarden, die es kosten soll, wären besser in die Erforschung kreativer, CO2-neutraler Lösungen investiert.

Denn eigentlich wissen wir längst, wie es geht. Täglich stellt uns die Sonne mehr Energie zur Verfügung, als wir nutzen können. Wir müssen diese Energie nur umwandeln, speichern und transportieren. Wir wissen, wie man Kunststoffe aus nachwachsender Biomasse herstellt, Kraftstoffe aus CO2 und Strom, wir haben Speichertechnologien und intelligente Mobilitätskonzepte. Was fehlt, ist erneut der politische Wille. Die Politik muss die Weichen so stellen, dass all diese Technologien eine reelle Chance haben, gegen das viel zu billige Rohöl anzukommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in einem Interview von einer „Menschheitsherausforderung“ und davon, dass „die Zeit drängt, gerade auch im Hinblick auf unsere Kinder und Enkel.“ An solchen Aussagen wird sie sich mit ihrem Klimaschutzgesetz messen lassen müssen.