Kommentiert: Wer hat´s geglaubt?

Kommentiert: Wer hat´s geglaubt?

Hatte wirklich jemand geglaubt, mit Minsk II würde unverzüglich der Frieden Einzug in die Ostukraine halten? Hatte wirklich jemand geglaubt, die Separatisten würden den Sturm auf Debalzewo abbrechen?

Hatte wirklich jemand geglaubt, Russland würde die „Neu-Russen“ zurückpfeifen?

Wer so gutgläubig war, sieht sich schon nach wenigen Tagen eines Besseren (besser: eines Schlechteren) belehrt. Die strategisch wichtige Stadt ist in die Hände der Separatisten gefallen, die Zentralregierung hat eine weitere schwere Schlappe erlitten. Und Kremlchef Wladimir Putin verhöhnt die Geschlagenen mit den Worten, es müsse für die schon bitter sein, gegen ehemalige Bergarbeiter und Traktorfahrer zu verlieren. Als ob in Donezk und Lugansk nicht auch in beachtlicher Zahl russische Spezialkräfte am Werk wären. Eine besonders zynische Art von Desinformation.

Was droht nun? Wird Präsident Petro Poroschenko das Kriegsrecht verhängen und den Konflikt damit noch gefährlicher und unkalkulierbar machen? Werden die USA jetzt Waffen an die ukrainischen Truppen liefern? Alles ist jetzt möglich — nur eines wahrscheinlich nicht: dass die Lage nun ruhiger und stabiler wird.

Waffen aus den USA würden Moskau den willkommenen Vorwand liefern, ganz offen mit eigenen Soldaten einzugreifen — und diesmal sogar mit Rang- und Hoheitsabzeichen. Das Versteckspiel mit „grünen Männchen“ wie auf der Krim wäre dann nicht mehr nötig. Das sollte Washington bedenken. Präsident Barack Obama sollte den republikanischen Falken nicht nachgeben. Mit amerikanischen Waffen wäre die Eskalation des Konflikts nicht mehr aufzuhalten und die Folgen wären nicht mehr einzugrenzen.

Was aber kann man tun? Es gibt noch weitere Möglichkeiten in Sachen Sanktionen, nicht nur wirtschaftlicher Art. Man sollte Sport und Politik zwar möglichst nicht miteinander vermischen. Aber man kann zum Beispiel die Frage stellen, ob ein Land, das die Souveränität und Integrität eines anderen Staates missachtet und gröblichst verletzt, eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten darf.

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