Kommentiert: Was für ein Irrsinn

Kommentiert: Was für ein Irrsinn

Endlich. Der Transferwahnsinn ist zu Ende. Vorübergehend zumindest. Denn in der Winterpause wird das Wechselfenster wieder geöffnet. Und der überhitzte Markt wird erneut angefeuert. Was für ein Irrsinn. Dem endlich ein Ende bereitet werden muss. Denn:

Erstens: Kein Spieler der Welt ist 100 Millionen Euro wert. Und erst recht keine 220. Da gilt es, Bayern-Präsident Uli Hoeneß beizupflichten. Neymar. Dembélé. Unglaublich. Klar, der Markt gibt’s her. Und die Investition amortisiert sich allein durch den Trikotverkauf ziemlich schnell. Dabei geht es der wirtschaftlichen Logik folgend immer weiter. Scheichs und andere Milliardäre pumpen nicht nur viel Geld in den Fußball, gerade auch der asiatische Markt wird intensiv von den Großklubs bereist, um neue Absatzmärkte zu erobern, besonders auch vom FC Bayern. Der Fan sieht’s, schüttelt verständnislos den Kopf und trottet im Lewandowski- oder Aubameyang-Trikot zum nächsten Spiel ins Stadion. Wo soll das hinführen?

Zweitens: Der Transfermarkt muss rationaler werden. Da gilt es, Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge beizupflichten. Man kann über das Geschäftsgebaren des Bundesliga-Primus durchaus ab und an die Nase rümpfen. Aber im Vergleich zu den Branchengrößen in England, Spanien, Italien und Frankreich verhält sich der deutsche Serienmeister, der gerne der eigenen Konkurrenz die Spieler wegkauft, geradezu vorbildlich. Financial Fairplay hört sich toll an, darf aber nicht zur Worthülse verkommen. Da sind die Ligen und Vereine gefragt, der Gewinnmaximierung abzuschwören und sich demütig im Schulterschluss zu üben. Denn wo soll das sonst hinführen?

Drittens: Bei Saisonbeginn müssen die Kader feststehen. Dem Fan, der Identifikation mit dem Verein zuliebe. Wo spielt Kevin Kampl eigentlich? Leverkusen? Leipzig? Oder anderswo? Wechsel nach dem zweiten Spieltag können nicht im Interesse der Vereine sein. Doch selbst Identifikationsfiguren wie der königsblaue Benedikt Höwedes mischen in diesem Spiel mit: Er wechselt von der Schalker Ersatzbank nach Turin. Die Ligen müssen sich darauf verständigen, dass das Transferfenster vor Saisonbeginn der Top-Ligen einheitlich geschlossen wird. Zugegeben: einer verklärten Sichtweise auf den Fußball zuliebe. Aber gibt es überhaupt noch einen Weg zurück?

Es geht um Geld, das ist klar. Um Titel. Aber es geht vielen um den Fußball, um Emotion, um Gemeinschaft. Blasen können so groß werden, dass sie unweigerlich platzen.