Kommentiert: VW muss endlich einen Kulturwandel einleiten

Kommentiert: VW muss endlich einen Kulturwandel einleiten

Zweieinhalb Jahre durfte sich Matthias Müller an den Skandalen bei Volkswagen abarbeiten. Jetzt hat es auch den Vorstandschef erwischt.

Außenstehende mag dieser Schritt verwundern, steht der Konzern doch so gut da wie nie zuvor. 2017 konnten sich die Wolfsburger zum größten Autobauer der Welt küren, erst dieser Tage vermeldete die Konzernmarke VW Pkw bei den weltweiten Auslieferungen das beste erste Quartal der Geschichte. Der Aktienkurs steht höher als vor Ausbruch der Dieselkrise. Und doch muss Müller gehen.

Zu Recht! Denn auch er hat es nicht geschafft, den groß angekündigten Kulturwandel einzuleiten. Jüngstes Beispiel dafür waren die unsäglichen Abgastests an Affen, für die Müller nur eine wenig überzeugende Entschuldigung fand. Ein Kulturwandel sollte vorgelebt werden. Stattdessen haben Müller und Co. erneut bewiesen, dass sie weder für funktionierende Compliance-Systeme noch für ausreichende Kontrollen gesorgt haben.

Ob Müllers Nachfolger Herbert Diess der neue Hoffnungsträger ist, darf angesichts seiner unklaren Rolle im Dieselskandal bezweifelt werden. Ein schweres Erbe übernimmt er fraglos, denn er muss dem Konzern die Glaubwürdigkeit zurückgeben und ihn in die Zukunft führen. VW investiert zwar bereits Milliarden in die Elektromobilität. Doch Diess muss nicht nur Mitarbeiter und Käufer auf diesem Weg mitnehmen, sondern auch die Familieneigner Piëch/Porsche. Die sind immer noch die unbekannte Größe im Affentheater bei VW.