Kommentiert: Verpasste Chancen

Kommentiert: Verpasste Chancen

Bravo: Die Stadt Aachen nutzt jede Chance, Autofahrer zur Kasse zu bitten. Aber sie verpasst dabei Gelegenheiten. 4,9 Millionen Euro aus Parkscheinautomaten, 12,9 Millionen aus den Parkhäusern, 3,9 Millionen aus Parkknöllchen, 3,5 Millionen Euro durch Tempo- und Rotlichtverstöße etc. — das summiert sich. Gut so.

Selbstverständlich ist es völlig richtig, Kontrolldruck zu optimieren. Bei Tempoverstößen sowieso, aber eben auch bei Parksündern. Dabei geht es weniger um nicht gelöste oder abgelaufene Parktickets. Der Fokus ist längst verschoben: Parken in zweiter Reihe etwa nervt nicht nur staugeplagte Autofahrer. Der Mehrausstoß von Abgasen belastet die Umwelt. Das gilt umso mehr für den Parksuchverkehr.

Natürlich könnte Aachen die an einzelnen Hauptstraßen knapp über dem erlaubten Wert liegenden Feinstaubwerte unter die strenge Grenze drücken, wenn überflüssige Wege im Pkw eingespart werden. Dazu gehört nicht nur der seit Jahren kaum gesteigerte Umstieg des passionierten Pkw-Piloten auf Bus und Rad, sondern eben auch das ewige Suchen nach dem nächsten freien Parkplatz.

Doch die Aachener Politik hat in der Innenstadt jahrelang ganze Straßenzüge aus ihrem sogenannten Parkraumbewirtschaftungskonzept ausradiert. Ersatzlos. Das hat den Parkdruck zusätzlich erhöht. Und Elektromobilität spielt nach wie vor (fast) keine Rolle. Ihr Anteil am motorisierten Individualverkehr beträgt nicht einmal 0,5 Prozent.

Zwei Fehler müssen nun vermieden werden: Die politische Debatte um noch höhere Parkgebühren am Straßenrand muss enden, sie macht wenig Sinn — auch wenn Aachens Parkhäuser noch kostspieliger als der Stellplatz am Straßenrand sind.

Der schwindende Einzelhandel in der City vermisst die autofahrende Kundschaft schon jetzt schmerzlich. Weitere Einbußen wären fatal. Zudem müssen die wachsenden Millionen-Einnahmen, die Autofahrer der Stadt bescheren, clever investiert werden — in ein wirklich smartes Mobilitätssystem. Dazu gehört nicht nur der Ausbau des Radwegenetzes. Dazu gehören verkehrsabhängige Ampelschaltungen, die massive Förderung der Elektromobilität für Autos und Busse sowie ausreichend zentrale Parkmöglichkeiten.

Wenn Aachens Schrottparkhaus Büchel endlich abgerissen und nebenan ein ganzes Stadtquartier anstelle des Rotlichtbezirks neu geplant wird, könnte man doch ein großes Tiefgaragenparkhaus zentral einplanen. Und eine entsprechende Zufahrt, die vielleicht nicht gerade — wie jetzt — mitten durch eine Fußgängerzone führt. Das jedenfalls hat unsere Nachbarstadt Maastricht, die so gerne als vorbildliches Radfahrer- und Einkaufsparadies präsentiert wird, vorgemacht. Eindrucksvoll.

Höchste Zeit, dass die Aachener Politik und vor allem die Verwaltung aufwachen. Damit die geldbringenden Autofahrer nicht verteufelt, sondern als Chance begriffen werden. Das hilft der Umwelt, dem Handel und vor allem dem Bürger. Das Geld ist da.

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