Kommentiert: Veränderungsprozess im Bistum braucht Veränderung

Kommentiert: Veränderungsprozess im Bistum braucht Veränderung

Im Bistum Aachen läuft derzeit einiges schief. Aus einem Brief des Bischofs vom 12. März an Priester, Mitarbeiter und Ehrenamtler in den Regionen ist herauszulesen, dass er um fehlendes Vertrauen weiß.

Viele Priester sowie haupt- wie ehrenamtlich engagierte Laien stehen Diesers straffer Amtsausübung kritisch gegenüber. Ob er tatsächlich restriktiver ist als seine Vorgänger Mussinghoff und Hemmerle, ist nicht erwiesen. Aber diese beiden haben hier im Bistum viel ermöglicht, waren tolerant gegenüber Meinungen, die ihrer eigenen nicht entsprachen. Das ist Mussinghoff häufig vorgeworfen worden; und die Kritik, die ihn deswegen erreichte, war zum Teil regelrecht infam.

Bischof Dieser und sein Generalvikar Frick reagieren nach allem, was man aus der Priesterschaft, den katholischen Räten und von vielen Laien hört, deutlich schärfer auf Widerspruch und abweichende Meinungen. In Leserbriefen auch an unsere Zeitung haben sich ehrenamtlich engagierte katholische Laien ebenfalls sehr kritisch geäußert. Die Katholikenräte vermissen Dialogbereitschaft. Und dem bevorstehenden Gesprächsprozess des Bischofs fehlt bislang tatsächlich Transparenz. Im Generalvikariat ist Verunsicherung zu spüren; manche sprechen gar von Angst. Das wäre die denkbar schlechteste Basis für die bischöfliche Strukturreform, die das Bistum so oder so einschneidend verändern wird.

Als Dieser diesen Veränderungsprozess der Öffentlichkeit vorstellte, hat er ausdrücklich und wiederholt betont, dass letztlich der Bischof allein zu entscheiden habe. Das war zwar nie anders, schließlich ist die katholische Kirche stark hierarchisch organisiert. Die Frage ist aber, wie sehr man diese Kompetenz herausstreicht und ausspielt, wie viel Spielraum man denen lässt, die sich seit Jahren auf allen Ebenen — Gemeinde, Region, Bistum — ehrenamtlich für ihre Kirche engagieren. Die Frage ist, wie sehr man ihnen vertraut, wie stark man sie nicht nur mitreden, sondern auch mitentscheiden lässt. Wenn sie vor den Kopf gestoßen werden, wird es der katholischen Kirche schlecht ergehen.

Man möchte dem Bistum Aachen nicht wünschen, dass es sich demnächst vor jenem grundsätzlichen Konflikt sieht, der seit vielen Jahren in der deutschen katholischen Kirche schwelt: Soll diese Kirche ein schnittiges Schiff mit klarem Profil und weniger, aber dafür linientreuen Katholiken sein? Oder will diese Kirche möglichst viele bei sich behalten, mit ihnen streiten, Vielfalt in Kauf nehmen, im besten Fall Vielfalt zu schätzen wissen?

Die Stimmung im Bistum ist derzeit schlecht. Ab kommendem Wochenende können sich Interessierte für zahlreiche Gesprächskreise, in denen über Inhalte und Perspektiven von Veränderungen diskutiert werden soll, bewerben. Wie die Teilnehmer dann ausgesucht werden, ist nach wie vor nicht transparent, was zu Recht kritisiert wird. Das könnten die Verantwortlichen an der Spitze des Bistums schnell ändern. Noch ist es nicht zu spät. Und sie könnten in einer großzügigen Geste ihren wichtigsten Gremien auf Diözesanebene auch jetzt noch die Auswahl einzelner Teilnehmer überlassen. Das würde dem Klima gut tun.