Kommentiert: Trump versagt. Putin trägt die Verantwortung.

Kommentiert: Trump versagt. Putin trägt die Verantwortung.

Eine erschreckend unsachgemäße Twitter-Botschaft aus Washington, eine eiskalte Reaktion aus Moskau: Der Konflikt um Syrien eskaliert, die Diplomatie versagt, die UNO schaut wie meist ohnmächtig zu.

Trotz aller gefährlichen Entgleisungen des US-Präsidenten liegt die Hauptverantwortung für die Eskalation im Kreml: Russlands Führung ist verbündet mit einem verbrecherischen und menschenverachtenden Regime, das sie erst am Mittwoch wieder als „legitime Regierung“ bezeichnet hat. Assads Diktatur ist alles mögliche, vor allem grausam, aber bestimmt nicht legitim. Putin macht sich mit seiner Unterstützung des Despoten mitschuldig an dessen Verbrechen. Ohne russische Unterstützung wäre der Syrer längst am Ende.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff vom Wochenende auf die syrische Stadt Duma sprach die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch von typischen Symptomen hochgiftiger Chemikalien, die die Opfer des Angriffs zeigen. Chemische Kampfstoffe zu ächten und Zivilisten unbedingt zu schützen, sind unabdingbare Maßgaben, die zum Minimum dessen gehören, worauf sich die internationale Gemeinschaft völkerrechtlich verständigt hat.

Sollten die Ermittlungen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) ergeben, dass das syrische Militär erneut Chemiewaffen eingesetzt hat, muss die Staatenwelt reagieren. Und wenn sich der UN-Sicherheitsrat selbst blockiert, müssen es einzelne Staaten tun — besonnen und zielgenau. Denn die Menschen in Syrien — Kinder, Frauen, Männer — dürfen nicht länger auf brutalste Art gequält, gefoltert und getötet werden. Das geschieht aber — mit massiver Hilfe Moskaus.

Bisher hat sich der Diktator in Damaskus vor keiner einzigen Reaktion fürchten müssen. Nichts und niemand schüchtert ihn ein — schon gar nicht das unendliche Leid seines Volkes. Was für eine humane zivilisierte Gesellschaft selbstverständlich ist, interessiert Assad nicht. Die Vizevorsitzende der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs hat am Mittwoch gesagt: „Kriegsverbrechen können nicht durch noch mehr Krieg beendet werden, sondern nur durch das Ende der Kampfhandlungen.“ Das ist eine von Idealismus getragene Aussage, der jeder vernünftige Menschen nur zu gerne zustimmen würde. Die Geschichte hat aber leider gezeigt, dass Menschenschlächter häufig nur durch militärische Gewalt zu stoppen sind.

Was Putin, Trump und ebenso der türkische Präsident Erdogan derzeit tun, wird gemeinhin Säbelrasseln genannt. Sich gegenseitig mit Drohungen zu übertreffen, führt tatsächlich zu Eskalationen. Die Gefahr ist umso größer, als im Weißen Haus ein völlig unberechenbarer Präsident regiert, der mehr und mehr den Verdacht nährt, dass er sich emotional und intellektuell nicht im Griff hat und zu fast infantilen Schnellschüssen neigt.

Bleibt nur zu hoffen, dass Frankreichs Präsident Macron bei aller notwendigen Entschlossenheit mäßigend auf Trump einwirken kann, dass sich alle Seiten ihrer Verantwortung bewusst sind: Eine direkte Konfrontation der Supermächte muss verhindert, dass syrische Volk muss endlich geschützt werden.