Kommentiert: Spuren von Skepsis

Kommentiert: Spuren von Skepsis

Es ist ein Korsett, in das die Euro-Finanzminister Griechenland zwängen wollen.

Neben den Reformauflagen soll sich Athen schon präventiv zu weiteren Einschnitten verpflichten, falls die Wachstumsziele nicht erreicht werden. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, sagte in Amsterdam deutlich, was man erwartet: einen Automatismus, den keine griechische Regierung stoppen kann.

Man hat aus dem verlorenen ersten Jahr unter dem Athener Premier Alexis Tsipras gelernt. Viel zu lange musste man sich mit seinem Widerstand gegen die Forderungen der Geldgeber herumschlagen, ehe er bereit war, das Land wieder in die Spur zu bringen. Inzwischen dürfte der hellenische Regierungschef begriffen haben, dass an der Linie „Kredit gegen Reformen“ nicht gerüttelt wird. Und dabei geht es keineswegs nur um Einsparungen.

Umbauten bei der Verwaltung sind nötig, um Investoren nicht zu verprellen. Die Privatisierung muss in Gang kommen. Und die Banken brauchen wieder Spielräume, um Kredite für die mittelständische Wirtschaft und kleinen Betriebe gewähren zu können. Denn nur dann wird es — wenn auch mit schmerzlichen Verzögerungen — wieder Jobs geben.

Wie sehr sich die Atmosphäre zwischen Griechenland, den Geldgebern und den EU-Institutionen verändert hat, wurde in Amsterdam spürbar. Statt verhärteter Fronten gab es zum ersten Mal seit Jahren wieder so etwas wie ein konstruktives Miteinander. Sogar von der Europäischen Zentralbank und dem dauerhaften ESM-Krisenfonds in Luxemburg hieß es, man habe mit den Athener Vertreter erfolgreich und gut zusammenarbeiten können. Der Satz eines Diplomaten „Man hatte nicht mehr das Gefühl, ständig vor eine Wand zu laufen“, kennzeichnet das, was gemeint ist.

Nun gab es solche „hellen Augenblicke“ auch schon in der Vergangenheit. Insofern darf der aufbrechende Optimismus durchaus noch Spuren von Skepsis enthalten. Aber wenn selbst Tsipras langsam merkt, dass ihm Widerstand nichts, Zusammenarbeit aber viele neue politische Freiräume bringt, könnte es wirklich aufwärtsgehen. Vorausgesetzt, die Geldgeber begreifen auch, dass sie dem Land nicht die Luft zum Atmen nehmen dürfen.

Denn bei aller Konsequenz braucht Griechenland mehr denn je Hilfe, um Reformen plus Sparen plus Staatsumbau plus Bewältigung der Flüchtlingskrise schaffen zu können. Der Glaube daran, dass das alles zusammen und gleichzeitig gelingt, ist weiter nur schwach ausgeprägt.

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