Kommentiert: So wird die Union keinen Erfolg haben

Kommentiert: So wird die Union keinen Erfolg haben

Wie erschreckend hilflos ist momentan der Wahlk(r)ampf der Union! Wie dilettantisch und unprofessionell!

Die Scheuers, Taubers und Reuls, stramme zweite Reihe von CDU und CSU, greifen in die billigen Alphabete der persönlichen Animositäten. Das überzeugt nicht. Das ist Worthülsen-Ersatz statt inhaltlicher Attacke. Das entspricht nicht dem Niveau einer großen und souveränen Partei.

Wenn der Name Schulz zigfach bei Veranstaltungen von CDU und CSU fällt, ist das ein Warnzeichen. Da soll der mutmaßliche Gerechtigkeitsapostel ablenken von eigenen Defiziten in der Wahlkampfführung, vielleicht sogar von inhaltlichen Lücken, aber in der konkreten Programmatik ist Martin Schulz ja auch noch nicht final aufgestellt.

Was sich der Europaabgeordnete Herbert Reul mit seinen Dossierchen über Schulz und die Herren Generalsekretäre mit ihren Verbalattacken gegen den Kanzlerkandidaten der anderen leisten, ist ein überdeutliches Indiz für die Überraschung und das sich anschließend entwickelnde Entsetzen nach der Nominierung von Schulz.

Die christlich-demokratischen und christlich-sozialen Funktionäre haben kaum damit gerechnet, dass ein einziger Sozialdemokrat auf Anhieb in der Lage sein könnte, seine eingeschlafene Partei so schnell zu wecken und — zumindest eine Zeitlang — in den Umfragen an ihnen forsch vorbeizuziehen. Das war in dem Weltbild der allzu arroganten Super-Strategen nicht vorgesehen.

Zu Biedenkopfs und Kohls Zeiten

Die CDU hat einmal sehr erfolgreich Wahlkämpfe geführt, etwa zu Biedenkopfs und Kohls Zeiten. Die Union sollte sich besinnen und sich an solche Zeiten erinnern, sie sollte auf Inhalte, auf Perspektiven, auf Ideen, auf Konzepte, auf eigene gute Leute, auf ordentliche Debatten und auf Auseinandersetzungen mit Stil setzen. Und sie sollte wenigstens halb so selbstbewusst und zuversichtlich sein wie — Martin Schulz.

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