Kommentiert: Signal für Fairness

Kommentiert: Signal für Fairness

Guter Journalismus ist fairer Journalismus. Er geht mit Opfern von Verbrechen ebenso fair um wie mit Beschuldigten.

Das heißt in der Praxis: Auch wenn die Begleitumstände einer Tat für Außenstehende zunächst eindeutig erscheinen, verbietet sich jegliche Form von Vorverurteilung. Weil selbst der versierteste Prozessbeobachter nicht das Ergebnis einer Hauptverhandlung vorwegnehmen kann und die Folgen für die Betroffenen verheerend sind.

Im Fall des Wettermoderators Jörg Kachelmann haben die „Bild“-Zeitung und ihre Reporterin, die selbst ernannte Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, alles missachtet, was guten Journalismus ausmacht. Mehr noch: Schwarzer hat sich zur Scharfrichterin aufgespielt; sie wollte Kachelmanns Verurteilung — koste es, was es wolle.

Die Rechnung hat Springer nun präsentiert bekommen: 635.000 Euro Schmerzensgeld — ein Rekord in der deutschen Rechtsgeschichte. Die „Bild“ wird es wiederum verschmerzen können, hat sie doch über Wochen gut von ihrer Kachelmann-Kampagne gelebt. Ein wichtiges Signal ist das Urteil dennoch: für Fairness, für guten Journalismus.