Kommentiert: Nicht vergessen! Nie!

Kommentiert: Nicht vergessen! Nie!

Die Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus zählt zu den unverzichtbaren Veranstaltungen im Jahreskalender des deutschen Parlaments.

Diese Erinnerungskultur ist notwendig und über jeden Zweifel erhaben, weil die Schuld, die Deutsche in zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur auf sich geladen haben, für die Nachfolge-Generationen eine besondere Verantwortung bedeutet. Das Erinnern darf nicht aufhören. Nie!

Am Mittwoch nahmen erstmals Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) an dieser Veranstaltung teil, Vertreter einer Partei, von der bekannt ist, dass sie zumindest in Teilen offen oder versteckt rechtsradikale Ressentiments bedient. Es bringt wenig, diesen Umstand dauernd zu beklagen, schließlich sind die 92 AfD-Bundestagsabgeordneten gewählte Volksvertreter. Und doch fühlt man sich unwohl. Es gibt Dinge, an die man sich niemals gewöhnen wird, die man mit dem, was man selbst für richtig hält, nicht übereinbringen wird.

Die AfD im Bundestag — das ist jetzt Alltag. Ob am Mittwoch bei der Gedenkstunde oder bei der Besetzung von Ausschussvorsitzen. In dem Moment, als die Partei den Einzug ins Parlament schaffte, stand fest, dass sie den einen oder anderen Ausschussvorsitzenden stellen würde. Das sehen die Regularien des Bundestages nun einmal vor. Sicherlich gäbe es Möglichkeiten, diese Regel außer Kraft zu setzen.

Es wäre aber ein falsches Signal, da die AfD dann wieder die Mär verbreiten könnte, ihr würden Rechte vorenthalten. Niemand muss Angst haben vor einem AfD-Ausschussvorsitzenden. Bei umstrittenen Fragen wird der Vorsitzende erfahrungsgemäß eh überstimmt, da die Mehrheitsverhältnisse im Ausschuss denen im Plenum entsprechen. Insofern wird man mit AfD-Vertretern in der Rolle der Ausschussvorsitzenden leben können. So ist das eben.

Höckes Schande

Was aber die Auschwitz-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch, die am Mittwoch bei der Gedenkfeier eine bewegende Rede gehalten hat, beim Anblick der AfD-Fraktion gedacht hat, mag man sich nicht vorstellen. Sicher ist, dass sie mit ihren 92 Jahren zu den wenigen Überlebenden des Vernichtungslager Auschwitz zählt, die noch aus eigenem Erleben berichten können. Bald wird es gar keinen Augenzeugen mehr geben. Und dann bleiben uns „nur“ noch Dokumente, um das Erinnern lebendig zu halten.

Wie hatte der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke gesagt? „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Gemeint war das Holocaust-Mahnmal unweit vom Deutschen Bundestag. Eine Schande waren allein Höckes Worte. Wir sollten sie nicht vergessen.

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