Kommentiert: Logistik klingt logisch

Kommentiert: Logistik klingt logisch

Eines muss man Sigmar Gabriel ja lassen: Der Bundeswirtschaftsminister hat die Region ganz schön in Bewegung gesetzt.

Nur wenige Schreckmomente nach der Androhung, per Umweltabgabe der Braunkohle vorzeitig den Garaus zu machen, sprudeln die Ideen, wie das Leben hier nach der Kohle aussehen könnte. Zwar ist Gabriels Umweltabgabe mittlerweile vom Tisch und Zeit gewonnen. Geblieben ist die Einsicht, dass zehn oder vielleicht 15 Jahre eine sehr kurze Zeit sind, wenn es darum geht, Menschen einer ganzen Region neue wirtschaftliche Per-spektiven anzubieten.

Eine der interessantesten Ideen, die bei der Suche nach neuen Wegen geboren wurde, ist ein Logistikzentrum am Kraftwerk Weisweiler. Nicht nur weil es auf einen Schlag zahlreiche Arbeitsplätze der auslaufenden Kohle-Industrie kompensieren könnte. Es klingt durchaus plausibel, dass eine riesige Gewerbefläche, die schon heute über Autobahn und Gleise erschlossen ist, das Zeug hat, ein logistischer Knotenpunkt zu werden.

Das bedeutet aber noch nicht zwangsläufig, dass bald schon der Güterverkehr zwischen Antwerpen und Weisweiler rollt. Ein Projekt, in dem die Interessen vieler gewahrt werden müssen, bedarf sensibler und professioneller Kommunikation. Wenn der Dürener Landrat jedoch vergisst, dem Eschweiler Bürgermeister mitzuteilen, wie konkret denn seine Absichten auf Eschweiler Hoheitsgebiet sind, ist das nicht gerade ein glücklicher Start für ein gutes Projekt, das Mut für die Zukunft machen kann.

Insofern darf man hoffen, dass bei allen Beteiligten schnell die Einsicht reift, dass Strukturwandel über Stadtgrenzen hinweg nur funktioniert, wenn persönliche Eitelkeiten zurückgestellt werden. Ansonsten verstreichen zehn oder 15 Jahre ungenutzt.

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