Kommentiert: Klopp oder Sammer oder Hasenhüttl . . .

Kommentiert: Klopp oder Sammer oder Hasenhüttl . . .

Imke Duplitzer hat nach dem WM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den verbalen Säbel rasseln lassen. „Für so 'ne Leistung hätte mein Trainer mich früher nach Hause laufen lassen — aus Budapest!“, sagte die ehemalige Weltklasse-Degenfechterin.

Es besteht in der Öffentlichkeit kein Zweifel, dass in diesem Fall Joachim Löw die Wandergruppe hätte anführen müssen. Der Bundestrainer hat einige Fehler zu viel gemacht bei dieser WM, die aus deutscher Sicht niemand besser als Mannschaftskapitän Manuel Neuer mit einem Wort zusammenfasste: „Erbärmlich!“

Keine Stammtischdiskussion

Und so ist es mehr als nur eine Stammtischdiskussion, ob ­Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer ist für eine Mannschaft, die wahrscheinlich multimedial geschult ist wie keine zweite, aber schlicht die einfachen Dinge des einfachen Spiels Fußball nicht mehr wirklich beherrscht.

Ob der Deutsche Fußball-Bund Löw entlassen wird oder er selbst geht — der kurz vor den peinlichen Auftritten bis 2022 verlängerte Vertrag des Trainers würde kein Hindernis darstellen. Auf dem Papier werden die Abfindungs-Modalitäten längst geklärt sein.

Bleibt Löw, geht Löw? In ein paar Tagen werden wir es wissen.

Ein Neuanfang, ein zwingend erforderlicher Neuanfang, ist mit Löw nur schwer vorstellbar, der mediale Druck auf den noch nie wirklich mit großen Krisen konfrontierten Badener wäre immens. Aber gibt es denn Alternativen?

Assistenten fallen aus

Definitiv ausscheiden aus dem Kreis der Verdächtigen würden Löws Assistenten Thomas Schneider und Marcus Sorg. Beiden fehlt neben dem sportlichen Nachweis auch die Ausstrahlung, die ein Kandidat zwingend für das Amt des Bundestrainers benötigt.

Wer einem spontan einfällt: Jürgen Klopp. Der Coach des FC Liverpool wäre einer der (wenigen) Fußballlehrer, die fachliche Kompetenz mit Ausstrahlung kombinieren. Allein: Der 51-Jährige fühlt sich wohl in England, und es ist mehr als fraglich, ob Klopp überhaupt bereit wäre, die von ihm so geliebte tägliche Arbeit mit einer Mannschaft aufzugeben für die Löw-Nachfolge.

Und dann kommt man schon ein wenig in die Bredouille. Stefan Kuntz, Miroslav Klose, beide derzeit beim DFB unter Vertrag? Nicht wirklich. Matthias Sammer? Könnte man sich vorstellen, aber könnte er sich eine Rückkehr zum Verband vorstellen? Wohl eher nicht. Ein ausländischer Trainer? Lange Zeit unvorstellbar beim DFB. Aber das Beispiel Belgien, wo der Spanier Roberto Martínez erfolgreich arbeitet, zeigt den Reiz einer solchen Verpflichtung.

Und aus der Bundesliga? Bleibt Ralph Hasenhüttl, der sich in Ingolstadt und Leipzig Meriten erworben hat, der ein akribischer Arbeiter ist, mit jungen Leuten arbeiten kann — und er ist ab Sonntag vertraglos. Der DFB könnte zudem über seinen Schatten springen, Hasenhüttl ist Österreicher.

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