Kommentiert: Keine Sicherheit

Kommentiert: Keine Sicherheit

Der Bundesgerichtshof hat mit seinem Urteil Rechtssicherheit für Autofahrer hergestellt. Mehr Sicherheit im Straßenverkehr bringt es nicht. Denn Dashcam-Aufnahmen dürfen zur Klärung von Unfallhergängen vor Gericht zwar verwendet werden. Was weiterhin nicht erlaubt ist, ist den Straßenverkehr dauerhaft zu filmen.

Das zieht ein Bußgeld nach sich, weil es gegen Datenschutzregeln verstößt. Klingt nach einem Dilemma, lässt sich mit moderner Technik aber lösen: mit einer sogenannten Crash-Cam, die nur bei einem Unfall aufzeichnet und ihren Speicher regelmäßig überschreibt. Eine Totalüberwachung im öffentlichen Raum, vor der zum Beispiel die Grünen warnen, steht also glücklicherweise nicht zu befürchten.

Versicherungen können sich freuen, dürfen sie doch darauf hoffen, Schadensfälle bald schneller regulieren zu können. Auch bei Autofahrern dürfte die Resonanz positiv ausfallen: Nach einer Umfrage nimmt die Zahl derjenigen, die Dashcams im Auto nutzen möchten, zu.13 Prozent wollen das demnach in Zukunft auf jeden Fall tun, acht Prozent haben bereits eine Kamera. Alles gut also?

Nicht ganz. Denn eigentlich sollte es doch um mehr als die Aufklärung von Unfällen gehen: Um mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Die lässt sich — anders als beispielsweise der Automobil-Club Verkehr glaubt — nicht durch Kameras im Auto erhöhen. Drängler und Raser werden auch in Zukunft nicht erst nach einer Dashcam an der Windschutzscheibe Ausschau halten und dann den Fuß vom Gas nehmen. Zumal, wenn die erlaubten Modelle nur im Falle eines Unfalls aufzeichnen. Wirkungsvoller wären nachwievor die Klassiker: mehr Kontrollen, moderne Assistenzsysteme und Abstandshalter, Tempolimits, Verkehrskonzepte, die die Straßen entlasten, in ferner Zukunft autonom fahrende Autos oder einfach: ein rücksichtsvollerer Umgang miteinander — auch auf der Straße.

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