Kommentiert: Jugend als Vorreiter

Kommentiert: Jugend als Vorreiter

„Eine Generation im Aufbruch“ — so lautet der Titel der 17. Shell-Jugendstudie. Die Ergebnisse einer repräsentativen Stichprobe von 12- bis 25-Jährigen zeigen, dass sich etwas verändert.

Jugendliche wollen wieder mehr mitreden als noch vor 13 Jahren. Damals gingen sie als „pragmatische und unideologische“ Wesen aus der Shell-Studie hervor. Heute haben sie hingegen den Wunsch, sich zu engagieren und zeigen Haltung.

Dieser Wandel widerspricht den hartnäckigen Klischees von einer Generation, die das Weltgeschehen an sich vorbeiziehen lässt und sich nur mit dem Smartphone in ihr Zimmer zurückzieht.

An den aktuellen Ergebnissen der Studie wird deutlich, dass die Mehrheit der Jugendlichen alles andere als desinteressiert und unbeteiligt ist.

Parameter wie vermehrte Offenheit gegenüber Zuwanderern (plus 21 Prozentpunkte), steigende Angst vor Ausländerfeindlichkeit (plus 8 Punkte) und zunehmendes Politikinteresse (plus 11 Punkte) deuten an, dass die Jugend von heute sehr wohl interessiert und engagiert ist.

Die Mehrheit der Jugendlichen ist ganz selbstverständlich in einer Welt aufgewachsen, die bunter, vielfältiger und toleranter ist, als die Welt der Erwachsenen es in deren Jugend war. Viele junge Deutsche haben selbst einen Migrationshintergrund und stehen Neuankömmlingen schon deshalb tolerant gegenüber. Eine aktive, kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Demonstrationen gegen Flüchtlinge bestärkt sie in ihrer Denkweise und stützt ihre Offenheit gegenüber Zuwanderern.

Dass gleichzeitig der Kinderwunsch, der für ihre Eltern zum größten Teil selbstverständlich war, zurückgeht (plus 5 Punkte), ist nicht etwa ein Indiz für mangelnden Realitätssinn oder für Flucht vor Verantwortung. Ohne Perspektive und stabile Verhältnisse ein Kind in die Welt zu setzen, ergibt für manche junge Leute keinen Sinn. Vielmehr zeigt es eine bewundernswerte Reflektiertheit. Es macht deutlich, dass sie sich kritisch mit sich, ihrer Situation und der Umwelt auseinandersetzen und diese nach ihren Vorstellungen gestalten wollen.

Ihren Optimismus haben die Jugendlichen dennoch nicht verloren und blicken trotz der Herausforderungen, die durch wirtschaftliche Krisen und politische Konflikte entstehen, so positiv wie nie in ihre Zukunft. Erstmals steigt der Wert auf 61 Prozent der Befragten und liegt damit deutlich über den Zufriedenheitswerten aus den Jahren 2010 und 2006.

Diese Ergebnisse sind eine klare Botschaft an alle Zweifler, Nörgler und Pessimisten dieses Landes. Die Jugendlichen sind mutiger, weltoffener und engagierter als früher. Es wäre wünschenswert, dass dieser Funke des Aufbruchs auch auf andere Generationen überspringt.