1. Meinung

Kommentiert: Ganz einfach: Ostern!

Kommentiert: Ganz einfach: Ostern!

Ostern ist immer aktuell, nicht nur an einem Feiertagswochenende. Ostern gehört zu Deutschland.

Wer das Fest der Auferstehung Jesu ernst nimmt, weiß um die Ausstrahlung, die davon ausgeht oder ausgehen sollte: Es ist ein Plädoyer für Aufbruch, für Werte, für Selbstbewusstsein, für Toleranz, für Hoffnung, für Solidarität, aber auch für Kontinuität, für Respekt und für Gerechtigkeit.

Gewiss ist Ostern ein exzellentes Beispiel für unsere aktuelle Situation und manche in konfuse Richtungen laufende Diskussion. Wenn Papst Franziskus am Ostersonntag seinen apostolischen Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis) erteilt, dann beschreibt dies auch den Alltag zwischen dem Lokalen und dem Globalen, zwischen Heimat und Internationalität, sehr oft auch zwischen gefühlter Geborgenheit und spürbarer Skepsis oder sogar Angst.

Diese christliche Verbindung, die morgen auf dem Petersplatz hergestellt wird, hat supranationale Bedeutung. Sie wendet sich an die Menschen aller Nationen und an die gesamte Staatengemeinschaft. Sie symbolisiert in dieser Pluralität die „eine“ Welt, von der wir noch so weit entfernt sind.

Dissonanzen

Tatsächlich beschränkt sich unsere politische Debatte derzeit zu sehr auf relative Nebensächlichkeiten. Der zuweilen heftige und feindselige Streit darüber, ob der Islam nun zu Deutschland gehöre oder nicht, ist irrelevant. Er spielt allenfalls in parteipolitisch motivierten Dissonanzen eine Rolle: in dem Polit-Mief mit der Angst vor der AfD, der bayerischen Landtagswahl und dem nur ungefähr definierten Begriff der Heimat.

Das ist nur billige Fassade. Nicht mehr. Der Islam im Rahmen unserer Religionsfreiheit gehört dann zu Deutschland, wenn er seriös und religiös praktiziert wird. Er gehört jedoch nicht zu Deutschland, wenn Imame Fanatismus predigen, Religion politisch vergewaltigt und als aggressive Antwort auf unsere Demokratie und Freiheit verstanden wird. So einfach kann eine solche Bewertung sein. Und so differenziert. Und so wenig aufgeregt.

Ernsthaft hat die neue Sehnsucht nach Heimat mit der vorsätzlich negativ formulierten Zukunft unserer digitalen und globalen Gesellschaft zu tun. Rechte politische Propaganda liefert so genannte christliche Werte der Beliebigkeit aus — als vermeintlichen Gegenentwurf zu gigantischen Gefahren, die uns drohen. Solche Szenarien werden als Anzeichen individueller Entwurzelung er- und empfunden. Die Verursacher sind angeblich die EU, die Migration und das Internet. Sie müssen als Beweis für den „Kontrollverlust“ in unserer Gesellschaft und unserer Heimat herhalten.

Abschreckende Beispiele

Redlicher wäre eine unvoreingenommene Bestandsaufnahme, die aber in der derzeitigen Streit- und Diskussionskultur unserer Republik nicht möglich zu sein scheint. Wir kennen mehrheitlich nur noch schwarz oder weiß, rechts oder links, gut oder böse, tolerant oder intolerant. Es gibt zu wenig Zwischentöne, zu wenig Nuancen, zu wenig Lust an einer mit Verve und Esprit geführten Auseinandersetzung. Pauschalkritik und Rechthaberei ersetzen zu oft Sachlichkeit und Wahrheit. Unsere Parlamente sind leider häufig abschreckende Beispiele dafür.

Nachhaltiger könnte das Bemühen um einen richtigen Umgang miteinander und mit Themen sein. Heimat muss eben nicht nur Gartenzwerg, millimetergenau geschnittener Rasen und falsche Idylle sein, sie kann auch urbane Modernität, Innovation, Fortschritt, Entwicklung, Veränderung, lokale Avantgarde bedeuten. Heimat ist eben kein Stillstand, kein Rückzug in die Nostalgie, keine Abwehr, keine Aus- und Abgrenzung, sondern bürgerliche Offenheit und österlicher Optimismus.

Heimat kann so schön sein — mit ihren Vereinen, Dörfern, Städten und mit ihrer Überschaubarkeit. Sie ist dabei ein wunderbarer Teil dieser globalen Welt, beide — Urbi et Orbi — gehören zusammen und, wenn man es denn will, passen auch zusammen. Ein schönes und gesegnetes Osterfest!