Kommentiert: Ganz digital, aber bitte ohne Serverausfall!

Kommentiert: Ganz digital, aber bitte ohne Serverausfall!

Verabredungen, To-dos, Einkäufe, Urlaubsplanung ... werden längst mit dem Handy erledigt. Im Büro läuft das nicht anders. Die digitale Arbeitswelt — welch eine Erleichterung!

Da werden Termine automatisch auf das Zeitfenster gelegt, das für alle Beteiligten passt. Endlich laufen die Drucker nicht mehr heiß, werden nicht mehr tonnenweise E-Mails samt Anhängen ausgedruckt und fein säuberlich abgeheftet. Auch Rechnungen müssen im schlimmsten Fall — wenn tatsächlich noch postalisch zugestellt (wie antiquarisch!) — nur eingescannt werden.

Doch letztens, da wurde die digitale Welt einfach mal so aus den Angeln gehoben. Serverausfall. Von jetzt auf gleich. Ohne digitale Vorwarnung. Und plötzlich gab es nichts mehr zu tun. Der Schreibtisch — völlig von Papier befreit — gab nichts mehr her. Der lästige Anruf — nicht möglich, der Kontakt ist in Outlook. Die Kolleg(inn)en saßen ebenso ratlos da. Nachdem alle einmal gründlich die Tastatur desinfiziert und sich einen Kaffee geholt hatten, fragte sich die Runde, wie wohl vor 30 Jahren unser Job gemacht wurde. Ohne Computer.

Ja, stimmt, da haben die Journalisten vor Schreibmaschinen gesessen und fleißig getippt. So ein Ding ist mir letztens im Museum begegnet. Erstaunte Frage meines siebenjährigen Sohnes: „Mama, was ist DAS denn?“ Völlig fasziniert hat er sich hingesetzt und getippt. Ganz analog. Nur die unwiderruflichen Tippfehler fand er dann doch nicht so cool ... Aber zurück zum Server, der dann doch wieder laufen wollte und mit ihm die digitale Arbeitswelt. Nur zum Drucker, da läuft immer noch keiner mehr. Aber das spart nicht nur Kalorien und Schuhsohlenprofil, sondern auch Zeit, um mehr zu schaffen. Nicht zuletzt, weil mögliche Tür-und-Angel-Gespräche reduziert werden. Oder besser gesagt digitalisiert: Denn die Kommunikation unter Kollegen findet kaum mehr Auge-in-Auge, sondern vielmehr per Chat statt.

Ganz legal, von oben angeordnet, verabredet man sich zu Meetings und Kaffeepausen und bespricht, was sonst noch zu besprechen ist … Oh Moment, da poppt eine Erinnerung auf. Ach so, die Kolumne muss noch geschrieben werden. Alles klar. Schon dran. Und doch in Gedanken noch bei der Frage, wie sich unsere Lebens- und Arbeitswelt wohl in den nächsten 30 Jahren entwickeln wird ...

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