Kommentiert: Ergibt das Sinn?

Kommentiert: Ergibt das Sinn?

Was „digital“ bedeutet, erfahren wir täglich, wenn wir am Computer sitzen, wenn uns Daten verloren gehen, Systeme „abstürzen“ oder wir den Eindruck haben, sie halten uns zum Narren. Wie immer gibt es auch die andere Seite.

Tolle digitale Lösungen, die uns das Leben erleichtern. Wenn es um die Gesundheit geht, sind wir besonders empfindlich, und wir sollten extrem kritisch bleiben. Rund 1,7 Milliarden Euro sind bereits in die Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) geflossen, doch der Knoten in diesem Projekt scheint dicker und fester zu werden. Das ist nicht gerade vertrauensbildend.

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen wollen jetzt einen Schritt weiterkommen. In Berlin hat man das „AOK-Gesundheitsnetz“ propagiert, die digitale Akte, die alles speichern kann, was rund um die Gesundheit ihres Besitzers wichtig ist, was andere Behandler wissen sollten, und was es sonst noch zu erzählen gibt. Bewegt sich dieser Mensch genügend? Was ist mit seinem Blutdruck, dem Puls? Ja, der Karteninhaber soll sogar in die Lage versetzt werden, selbst einzuspeichern, was er für bemerkenswert hält.

Sicherlich ein gut gemeinter Gedanke. Aber wie soll das gehen, wenn schon jetzt daran gezweifelt wird, dass die unterschiedlichen digitalen System, die Ärzte, Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen nutzen, einander überhaupt verstehen? Wer soll das alles letztlich im Blick halten, einlesen, auswerten und daraufhin Entscheidungen treffen?

Und was ist überhaupt mit der Datensicherheit? In Zeiten, wo man plötzlich auf wundersame Weise Werbung für Vitaminpillen erhält, nachdem man auf der Seite einer Internetapotheke war, hat man kein gutes Gefühl. Gesundheitsdaten sind ein kostbares, sehr persönliches Gut, das rasch missbraucht werden kann. Wer das plant, ist forschend bereits jetzt eine Nasenlänge voraus. Niemand garantiert, dass der Patient nicht ausspioniert wird. Der Verlust einer solchen Karte, die ja nicht im Tresor, sondern eher in einer Brieftasche steckt, wäre eine Katastrophe.

Es gibt bereits die App, die Blutdruck messen kann und Alarm schlägt, wenn etwas nicht stimmt, oder Systeme, die dem Diabetiker mehr Sicherheit geben. Da ist digitale Technik gut entwickelt, aber nicht im „Daten-Gemischtwarenladen“. Sinn ergibt nur, was der Patient durchschaut und wo er Verantwortung übernehmen kann.

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