Kommentiert: Der Wert an sich

Kommentiert: Der Wert an sich

Haben Sie das auch schon mal erlebt? Sie sagen: „Guten Tag“. Die Antwort ist oft: keine. Sie lassen, wenn nur eine Fahrspur frei bleibt, weil auf der anderen Seite geparkte Autos stehen, dem entgegenkommenden Fahrer die Vorfahrt. Ein freundliches Danke-Zeichen? Ja, schon mal.

Immer öfter aber nicht mehr. Noch dreister: Der „berechtigte“ Gegenverkehr wartet erst gar nicht, sondern fährt einfach weiter — auch eine Variante wertvollen Miteinanders.

Sie tun jemandem einen Gefallen, obwohl sie wirklich gar keine Zeit haben. Und der Jemand bestätigt Ihnen nicht mal den Eingang des Gefallens.

Sie lassen anderen den Vortritt. An der Tür. Am Buffet. In der Warteschlange. Am Terminal. Danke? Leider eine Seltenheit. Es gibt viele weitere Beispiele, Sie kennen sie.

Benehmen? Für manche vielleicht Glücksache, aber häufig ist dieser Wert nicht mehr vorgesehen, nicht auf dem Plan.

Gut, dass CDU und CSU jetzt einen Wertekunde-Unterricht fordern. Für Kinder von Flüchtlingen. Klar doch: Der Deutsche weiß ja von Geburt an, was sich gehört und wie man sich im christlichen Abendland benimmt. Und wenn er groß geworden ist, dann wählt er vielleicht sogar die AfD.

Damit er das nicht mehr tut, soll das Flüchtlingskind zur deutschen Werteeintrichterungsertüchtigung. Das nennt man Logik: ein Wert an sich. Wir gratulieren der AfD. Sie hat die populistischen Angsthasen in der Union schon fest im Griff.

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