Kommentiert: Der Strukturwandel und seine Tücken

Kommentiert: Der Strukturwandel und seine Tücken

Die Selbstkritik könnte deutlicher nicht sein. „Keine Ruhmesgeschichte“ nennt der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn die Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR).

Für Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen ist „die Zeit gekommen, sich zusammenzuraufen“. Wenn aus dem Aufsichtsrat solche Sätze fallen, sind die Veränderungen auf der operativen Ebene meist nicht mehr weit.

Mancher hatte nach der Landtagswahl bereits den Abgesang auf die von der SPD ins Leben gerufene IRR angestimmt. Dass sie von der neuen Landesregierung weitergeführt wird, zeigt die Notwendigkeit einer starken Dachorganisation, die den Strukturwandel der Region koordiniert. Der ist in vollem Gange, aber in jedem der drei Tagebauumfelder auf völlig unterschiedlichem Stand.

Im Sommer schaffte es die IRR nicht, eine konkurrenzfähige Bewerbung für die Regionalen 2022 und 2025 auf die Beine zu stellen.

Die Fördermittel fließen nun ins Bergische Rheinland oder nach Ostwestfalen-Lippe. Diese IRR soll nun eine Zukunftsagentur für die Region werden, die Ideen aus sechs Kreisen koordinieren, die alle für sich das Beste herausholen wollen, im Gespräch mit allen die Megathemen der Zukunft definieren und für diese in Düsseldorf, Berlin und Brüssel Fördergelder, am liebsten in Milliardenhöhe, einwerben? Kein Wunder, dass angesichts dieser Erwartungshaltung ein Schwergewicht als Geschäftsführer verpflichtet werden soll. Die Suche dürfte anspruchsvoll werden.

Wer die Zahl der Institutionen kritisiert, die an der Raumplanung mitwirken, sollte sich die Dimension der Aufgabe vor Augen führen. Die besteht darin, strategische Felder zu definieren, die die Region in Zukunft attraktiv machen — als Arbeitsplatz, Wohnort oder touristischer Standort mit einer beeindruckenden Seenlandschaft. Während neue Achsen entstehen — der Kreis Heinsberg orientiert sich beim Tourismus in Richtung Niederrhein, der Kreis Düren hat eine Gastmitgliedschaft im Köln/Bonn e.V. beantragt — müssen sich die Akteure auf die Kernthemen der Zukunft verständigen.

Als „Sondierungsgespräche im Kleinen“, beschreibt Agit-Geschäftsführer Lothar Mahnke den bevorstehenden Prozess. Wenn die so laufen wie in Berlin, stehen der Region spannende Zeiten bevor.