Kommentiert: Achtung, Zukunft!

Kommentiert: Achtung, Zukunft!

Während die SPD mit dem Sonderparteitag die gewählten Abgeordneten ihrer Fraktion bevormundet, die Basis anbettelt und Deutschland weiter auf eine neue Regierung wartet, werden Fakten geschaffen.

Das 48. Weltwirtschaftsforum in Davos ist ein Beispiel dafür, welche Themen auf der weltweiten Agenda stehen.

Es geht um Cybersicherheit, die Vierte Industrielle Revolution, Robotik, künstliche Intelligenz und ethische Herausforderungen. Das Motto der Eliten, die dort versammelt sind, lautet „Den Zustand der Welt verbessern“. Das kann — je nach Blickwinkel — dies oder jenes bedeuten. Das eine besonders vermögende Prozent der Menschheit, das vom Wirtschaftswachstum stets am meisten profitiert, betrachtet den Zustand der Welt anders als eine Entwicklungshilfeorganisation wie „Oxfam“.

Die weltweiten Veränderungen sind Wirklichkeit und Innovationen kein Selbstzweck. Wer in dieser Situation salopp sagt, das Gerede über Digitalisierung nerve, gibt zwar sympathisch offen zu, dass er zu Gefühlen neigt, aber den kühlen Kopf hat er leider verloren.

Das Ende der Pferdekutschen

Wesentliche Fragen müssen beantwortet werden :

Welche neuen Arbeitsplätze schaffen, welche streichen wir? Ist es seriös — wie die Gewerkschaft — zu suggerieren, in der Braunkohle wegfallende Stellen könnten in der Elektromobilität mit denselben Arbeitnehmern besetzt werden? Wie bringen wir Klimaschutz und Weltwirtschaft zusammen, wie Politik und Wirtschaft? Wie entstehen Partnerschaften? Welche maßgebliche und nötige Rolle spielen die Zivilgesellschaften?

Europa mit seinen ethischen Grundwerten könnte, wäre es einig, einen herausragenden Beitrag leisen, gerade auf der Basis seiner exzellenten Wirtschaftskraft. Die Europäische Union müsste einer der entscheidenden globalen Akteure sein, sie ist davon dramatisch weit entfernt — ein großes Versagen.

Die Zukunft findet in einer veränderten Welt statt, es wird wieder einmal wie beim Ende der Pferdekutschen sein. Immer weniger Bauern mussten sich um Pferde kümmern und stattdessen wurden Automechaniker gebraucht. Solche Umbrüche wird es auch in der digitalen Arbeitswelt geben — und neben Risiken viele Chancen im Umfeld neuer Produkte, wie es beim Automobil in der Werbebranche war, die Großflächenplakate und Unternehmenslogos erfand, um Werbung im Vorbeifahren erkennen zu können.

Der Chinese, der Amerikaner

Was passiert, wenn Jobs verschwinden und andere entstehen? Wenn körperliche Arbeit wegfällt? Wohin wandert das Geld ab, wenn Maschinen die Arbeit billiger machen? Fließt es im Idealfall in andere Produkte und schafft dort neue Arbeitsplätze? Das erfordert Investitionen in neue Kenntnisse und Fähigkeiten, in Aus- und Weiterbildung. Das zwingt eine moderne Demokratie zur stärkeren Betonung der Ethik: mit Pädagogen, Psychologen, Sozialwissenschaftlern und einer neuartigen Kombination aus Informatik und Geisteswissenschaft.

Im Wettlauf der Regionen, Nationen und Weltmächte bleibt Europa blass. Es ist prädestiniert, junge Menschen in der vom Weltwirtschaftsforum gegründeten „Global Shapers Community“, Nichtregierungsorganisationen und Corporate Social Responsibility (unternehmerische Gesellschaftsverantwortung) zu fördern. Das wäre ein überzeugender Gegenentwurf zum US-Präsidenten. Ein Jahr nach der bühnenreifen Inszenierung des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping braucht nun Donald Trump die Kulisse in Davos. Ausgerechnet er, der in seinem Land den Nationalismus predigt! Die anwesenden US-Manager, die von dieser Politik (noch) profitieren, werden Trump hofieren, mag er ansonsten noch so peinlich sein.

2017 der Chinese, 2018 der Amerikaner: Wenigstens das sollte nun das europäische Selbstbewusstsein reanimieren.

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