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Kommentar zum deutschen Abschneiden bei der Leichtathletik-WM

Kommentar zur Leichtathletik-WM : Den Diskus mal flach halten

Eine desaströse Weltmeisterschaft, eine verheerende Bilanz – so ist landauf, landab der Tenor nach dem Ende der globalen Leichtathletik-Veranstaltung im US-amerikanischen Eugene mit Blick auf den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Desaströs? Verheerend?

Es geht auch eine Nummer kleiner. Natürlich sind eine Gold- und eine Bronzemedaille und nur sieben Platzierungen unter den besten acht keine Offenbarung. Und auch die Bilanz von 24 Saison- und sechs persönlichen Bestleistungen im 78-köpfigen DLV-Aufgebot ist eher bescheiden zu nennen. Und wenn die Chefbundestrainerin Annett Stein sagt, nur 40 bis 45 Prozent der deutschen Athleten hätten ihr Leistungsvermögen abrufen können, ist das bedenklich und wirft kein gutes Licht auf den DLV. Doch die deutsche Leichtathletik in Schutt und Asche reden?

Nein! Ja, es war aus deutscher Sicht keine gute WM. Eine schonungslose Analyse muss sein, doch Kritikerinnen und Kritiker sollten erst am 21. August, nach dem Ende der Europameisterschaften, mit dem DLV abrechnen. Für viele Athleten ist diese Heim-EM in München der Saison-Höhepunkt – aus nachvollziehbaren Gründen. Dann fehlen die Übermacht USA sowie die afrikanischen Läuferinnen und Läufer, die Erfolgsaussichten sind wesentlich besser. Und die EM beginnt gerade einmal 21 Tage nach dem Ende dieser WM. Man stelle sich vor, Handballerinnen, Basketballerinnen oder Fußballerinnen hätten nach der WM direkt eine EM zu bestreiten. Der Aufschrei wäre groß.

Also: Diskus, Speer und Hammer flach halten, und die EM abwarten. Dann aber sollte, nein, muss jede Athletin und jeder Athlet an die Grenzen gehen. Dann ist auch die Anzahl der Medaillen egal, der Wille, alles zu geben, muss das Maß der Dinge sein. Dieser Wille war bei der WM nicht immer zu spüren.

Desaströs? Verheerend? Der DLV verbuchte eine Medaille weniger als bei den Olympischen Spielen 2021, bei den oft als Vorbild genannten Verbänden aus Italien (-4), Polen (-5) und den Niederlanden (-4) lief es auch nicht rund. Generell liefen, warfen und sprangen die Europäerinnen und Europäer mit wenigen Ausnahmen hinterher. Bei der EM werden die Stäbe und Latten neu gemischt. Danach darf gerne Bilanz gezogen werden.