Kommentar zu Kirchenkrise und der Lage im Bistum

Kommentar zu Kirchenkrise und der Lage im Bistum : Schnell, offen, gemeinsam

Die katholische Kirche hat es nicht leicht, macht es sich aber manchmal auch schwerer als nötig. Mit dem unerträglichen Missbrauchsskandal kann und darf sie es sich nicht leicht machen; sie tut es auch nicht. Ob hier im Aachener Bistum oder in anderen Diözesen: Es ist den Verantwortlichen abzunehmen, dass sie mit allem Ernst und bestem Willen aufklären, offenlegen und weitere Schandtaten mit allen Mitteln verhindern wollen.

Jeder Bischof kann handeln und sollte es tun. Der Verweis darauf, dass die Bischofskonferenz mit dieser oder jener Maßgabe für notwendige Aufarbeitung und Prävention noch nicht so weit ist, bleibt müßig. Die Deutsche Bischofskonferenz war nie besonders schnell, aber bei diesem drängenden Thema ist sie auf jeden Fall zu langsam. Darauf kann man nicht warten. Wer Handlungszwang sieht, muss handeln und kann handeln; jeder Bischof entscheidet ohnehin autonom.

Das gilt auch für die weiteren Konsequenzen, die zu ziehen sind, die klipp und klar und nachdrücklich aus der Kirche heraus gefordert werden: neue Amtsstrukturen, mehr Kontrolle, mehr Frauen, kein Pflichtzölibat, unverklemmte Sexualmoral und eine neue menschenwürdige Haltung zur Homosexualität. Zumindest in einzelnen Fragen gehen einzelne Bischöfe beherzt voran: in Essen, in Hamburg, in München. Auch im Aachener Bistum würde man sich mehr Mut und mehr guten Willen wünschen. Diese Themen müsste Aachens Bischof Helmut Dieser in dem von ihm initiierten Diskussionsprozess über die Zukunft des Bistums von sich aus ganz offensiv und mit großer Deutlichkeit und dem Willen zu Reformen ansprechen.

Die Zögerlichen weisen auf dogmatische Hürden und tradierte theologische Auffassungen hin, die sie daran hindern würden, sich diesen Fragen mit größerer Offenheit und dem Willen zur Veränderung zu stellen. Viele renommierte Theologen sagen aber, dass mehr Pluralismus, mehr Offenherzigkeit, mehr Liberalität – theologisch! – sehr wohl möglich sind, wenn man nur will. Viele wollen aber offensichtlich nicht und weisen ihrer Kirche damit keinen Weg aus der Misere.

Die Vertrauenskrise ist so massiv, dass die Kirche alle ihre Kräfte bündeln muss, um auch nur halbwegs bestehen zu können. Das fällt in der Diözese Aachen eklatant schwer, weil der Führungsstil der Bistumsspitze gerade auch in der Priesterschaft auf anhaltenden Widerstand trifft und als unkollegial, wenig kommunikativ und zu autokratisch abgelehnt wird. Bischof Dieser bekennt sich offen zu seinem unbedingten Führungsanspruch; er bricht mit Gewohnheiten und konfrontiert seine Leute mit einem neuen Stil. Er wird aber sein Bistum nur mit seinen Priestern zukunftsfest machen; er braucht jeden einzelnen, denn er hat immer weniger. Wenn er dem Unmut nicht entgegenkommt, wird es schwierig.

p.pappert@zeitungsverlag-aachen.de

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