Kommentar zur Grenzwert-Debatte: Kluger Schachzug

Kommentar zur Grenzwert-Debatte : Kluger Schachzug

Die einen sagen so, die anderen sagen so – und wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Die bereits seit Monaten hitzig geführte Debatte über Schadstoffe in der Atemluft ist einmal mehr ein Beispiel für eine Diskussion, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Deshalb war es ein kluger Schachzug der Bundeskanzlerin, die über Partei- und Gesellschaftsgrenzen hinweg angesehene Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina um eine Einschätzung zu bitten.

Das Ergebnis der extra dafür gegründeten 20-köpfigen Arbeitsgruppe ist allerdings wenig überraschend: Ja, die Luftqualität in deutschen Städten könnte besser sein, aber auch ja, sie ist so gut wie lange nicht. Die Empfehlung der Professoren aus Medizin, Toxikologie, Chemie, Technikwissenschaften, Statistik, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Verkehrsforschung und anderen mehr lautet: Es braucht eine echte, nachhaltige, bundesweite Verkehrswende statt vieler lokaler Einzelmaßnahmen. Warum eigentlich nicht gleich so? Wozu mussten sich erst zahlreiche vermeintliche Experten in die Debatte einmischen bis diese sich so hochgeschaukelt hatte, dass sie jegliche Sachlichkeit vermissen ließ? Die Forscher betonen einmal mehr, dass weder eine Verschärfung des geltenden Grenzwerts für Stickoxide vordringlich, noch ein kompletter Austausch der Dieselflotte durch Fahrzeuge gleicher Leistung mit Benzinmotoren empfehlenswert ist – sie bezeichnen dies sogar als „kurzfristigen Aktionismus“. Sie fordern dagegen die Entwicklung von emissionsarmen Formen der Mobilität.

Eins geht aus der Stellungnahme jedoch deutlich hervor: Die Akteure aus Politik und Wirtschaft müssen handeln – und zwar dringend!

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