Kommentar zum Weltklimarat: Klare Fakten, wenig Schwung

Kommentar zum Weltklimarat : Klare Fakten, wenig Schwung

Die wissenschaftlich fundierten Zahlen des Weltklimarats bestätigen das, womit die Aktivisten von „Fridays for Future“ ihre Eltern und Großeltern konfrontieren, und werden trotzdem die Mehrheit der Deutschen, der Europäer und Nordamerikaner wieder nicht davon überzeugen, dass einschneidende persönliche, politische und ökonomische Konsequenzen gezogen werden müssen.

Das geschieht erst, wenn in den Alpen mehrere Dörfer und viele Menschen von Geröllmassen begraben werden, wenn Sylt wenigstens großteils absäuft, wenn in anderen Ländern ähnliche Katastrophen geschehen, wenn es noch heißere und längere Sommer gibt.

Die Zahl derer, die zu einer wirklichen Trendwende im eigenen Lebensstil bereit sind, nimmt zwar zu; nur nicht in dem Maße, wie das Eis in den Polarregionen schmilzt. Die Zahl der Zauderer bleibt in Gesellschaft und Politik zu hoch – bei der FDP, die das Recht auf SUV am liebsten im Grundgesetz schützen würde, bei der CDU, eingeklemmt zwischen fordernden Kirchen und der Industrie, bei SPD und Linken zwischen Parteijugend, Arbeiterschaft und Gewerkschaften. Die Grünen lachen sich noch so lange ins Fäustchen, bis sie wieder in der Bundesregierung sind.

Hinzu kommen die Fatalisten, die glauben, es sei längst zu spät, und die fatalistischen Hedonisten, die meinen, dann könne man - nach uns die Sintflut – solange noch weitermachen wie bisher. Hoch bleibt die Zahl derer, die von alldem nichts hören und sich schon gar nicht damit beschäftigen wollen. Auf sie hat es die AfD abgesehen – Biedermann und die Brandstifter. Die Rechtsradikalen sind die einzige Bundestagspartei, die in der Klimapolitik den Ruhebedürftigen und Leugnern ein politisches Angebot macht. Ihre Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, spricht von „imaginierten Weltuntergängen“ und streitet den Klimawandel ab, weil sie offensichtlich fest davon überzeugt ist, dass die Masse des Eises doch sowieso unter der Wasseroberfläche liegt. Es gibt nicht nur, aber auch in Deutschland für Schwachsinn eine Klientel.

Also macht die Jugend Rabatz. Einen Tag, nachdem sie in New York weinend höchste Repräsentanten der internationalen Politik beschimpft hatte, ist Greta Thunberg nun auch noch der Alternative Nobelpreis zuerkannt worden. Dass der Hype um die junge Schwedin, die jetzt im eigenen Interesse mal etwas kürzer treten sollte, manchen Zeitgenossen auf die Nerven geht, ist nachvollziehbar. Man darf dabei nur nicht vergessen: Sie hat gute Gründe für ihre Philippika. Sie hat Recht.

Es gibt nach dem, was der Weltklimarat am Mittwoch veröffentlicht hat, keinen Grund, dass sich junge Menschen hierzulande oder anderswo zurückhalten. Es ist nicht die Pflicht und Aufgabe von 16- oder 17-Jährigen, politische Konzepte vorzulegen. Sie sollen sich beschweren und dürfen frech werden. Schließlich waren die Generationen der heute 40- bis 90-Jährigen jahrzehntelang dreist genug, auf Kosten ihrer Kinder und Enkel zu leben – bewusst oder unbewusst.

Wenn die Älteren selbst heute, da die Fakten für jeden ersichtlich auf dem Tisch liegen, nicht zu durchgreifenden Maßnahmen für den Klimaschutz bereit sind, müssen sie eben mal etwas energischer geweckt werden. Sollten sie sich zu mehr aufraffen als dem ambitionslosen Klimapaket der Bundesregierung, könnten sie ihrerseits von den demonstrierenden Jugendlichen zu Recht erwarten, die Regeln demokratischer Entscheidungsprozesse und den Wert von Kompromissen zu achten.