Kindesmissbrauch im Ausland

Kindesmissbrauch : Ein deutsches Problem

Seit Jahrzehnten kämpft das Aachener Hilfswerk Missio gegen Kindesmissbrauch von deutschen Männern im Ausland. Hierzulande scheint das kaum jemanden zu interessieren.

Der massenhafte Missbrauch von nahezu zwei Dutzend Kindern über viele Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde erschüttert seit Monaten jeden, der davon hört und darüber liest. Es ist fast unerträglich zu lesen, wenn es um die konkreten Taten geht. Man kann und will sich nicht vorstellen, zu welchen Bestialitäten Menschen fähig sind.

Es wird im Fall Lügde zu Recht von massenhaftem Missbrauch gesprochen. Welches Adjektiv soll man jenem Missbrauch geben, der seit Jahrzehnten in ungezählten Städten vor allem in Südostasien stattfindet? Das Hilfswerk Missio nimmt sich seit langer Zeit dieses Problems an. Es ist kompetent. Die Zahl, die Missio nennt, ist seriös recherchiert aus in- und ausländischen Quellen. Es geht um ein Massenphänomen.

400.000 deutsche Männer fliegen Jahr für Jahr los, um Kinder und Jugendliche, Mädchen und Jungen zu missbrauchen. Es gehe ihnen nur um harmloses Vergnügen und natürlich nur mit erwachsenen jungen Frauen, würden diese Männer sagen, könnte und würde man sie darauf ansprechen. Damit machen sie sich selbst etwas vor, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Und sie wissen, dass sie sich etwas vormachen. Sie können ihr Gewissen gar nicht beruhigen, wenn sie denn eines haben.

Welcher dieser 400.000 Männer kann wirklich wissen, ob sein Opfer älter ist als 18? Und selbst wenn es keine Minderjährigen mehr sind, bleiben sie Opfer und die deutschen Männer Täter. Denn sie nutzen die Not, die Armut, die Ausweglosigkeit dieser Menschen aus, um sich billig Lust zu kaufen. Das ist – so oder so – ein Verbrechen. Warum gehen gegen das Massenphänomen Kindesmissbrauch hierzulande keine Massen auf die Straße? Weil die deutsche Gesellschaft kein Gespür dafür hat, dass der massenhafte Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in asiatischen Ländern nicht ausschließlich deren, sondern genauso ein deutsches Problem ist.